Auch die anderen Zeitungen stellen erneut den Castor-Transport auf die ersten Seiten. "Chaos beim Atomtransport" heißt es bei der "Süddeutschen Zeitung" über die Schienenblockaden, die den Castor-Transport fast einen Tag lang aufgehalten haben. Der "Tagesspiegel" geht in seiner Überschrift etwas deutlicher auf kritische Stimmen ein: "Scharfe Töne gegen Castor-Blockierer".

Ebenfalls auf den ersten Seiten: die Kabinettumbildung des russischen Präsidenten Putin sowie Angriffe der israelischen Armee auf Ramallah und Gaza. Ähnlich lauten die Überschriften: "Putin bildet Kabinett radikal um" heißt es beispielsweise bei der "Frankfurter Rundschau", "Israel sagt palästinensichen Terroristen den Kampf an" bei der "Süddeutschen Zeitung". Das "Handelsblatt" macht mit der Einigung zwischen Kassen und Bundesregierung über einen Mindestsatz für die Krankenversicherung auf: "SPD will Beiträge für über drei Millionen Versicherte erhöhen", während die "Bild" sich um die Festnahme des möglichen Mörders der 12jährigen Ulrike aus dem Brandenburger Eberswalde kümmert.

Putins Regierungsumbildung

Sehr unterschiedlich schätzen die Kommentatoren die Regierungsumbildung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ein. "In neuem Licht" sieht die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den Präsidenten. Er habe sich eindeutig von der "alten Familie" abgelöst, indem er mehrere Generäle aus der Regierung entlassen und durch zivile Fachleute ersetzte habe: "Daß Russland nun einen zivilen Verteidigungsminister hat und dazu eine aus dem Finanzministerium kommende Frau als Stellvertreterin, ist an sich schon eine kleine Revolution. Es zeigt, daß Putin den Dauerkonflikt des ehemaligen Verteidigungsministers Sergejew mit dem Generalstabschef leid ist und er die notwendige und seit Jahren verschleppte Militärreform endlich verwirklicht sehen will." Vollständig anders wertet die "Süddeutsche Zeitung" die Umgestaltung. Die Ernennungen setzten den klassischen Putinismus fort, was vor allem bedeute, dass die Macht der Uniformierten gestärkt werde. Denn bei dem neu ernannten Verteidigungsministers Sergei Iwanow, einem ehemaligen KGB-Offizier, handele es sich nicht um ein Polit-Täubchen: "Vor dem Hintergrund des sich verschlechternden Verhältnisses zu den USA lässt seine Bestallung darauf schließen, dass Russland in nächster Zeit sehr entschieden auftreten wird." Und auch der Nachfolger im Amt des Sicherheitsratschef, Wladimir Ruschajlo, sei kein Softie: "Der Generaloberst ist einer der Verantwortlichen für den Verlauf des Tschetschenienkriegs." Insofern sei es "Rosstäuscherei", wenn Putin seine Regierungsumbildung als "Demilitarisierung" der Exekutive verkaufe. Denn bloß weil Freund Iwanow den Generalstitel neulich niederlegte, sei er noch lange kein Zivilist.

Die "Welt" hebt hervor, dass es sich bei den beiden neuen Verteidigungs- und Innenministern um Parteigänger aus Petersburger Zeit herrsche. Damit wolle er seine eigene Hausmacht weiter stärken. Außerdem seien beiden Zivilisten. Damit sei zwar die Allgegenwart der Uniformen eingeschränkt, aber auch das graue Element der geheimen Dienste an die Staatsspitze gefördert worden. "Er denkt wie sie, sie denken wie er und sichern seine zunehmend zentralistische Macht", schließt Manfred Quiring.

Castor-Transport: Déjà vu?

Für Ingrid Müller vom "Tagesspiegel" wirken die Bilder von den Castor-Blockaden ein wenig wie von gestern. Allerdings habe es seit dem letzten Transport 1997 den Atomkonsens über den Ausstieg aus der Kernkraft gegeben. Warum also demonstrieren immer noch so viele? fragt sie und formuliert die Antwort in einer rhetorischen Frage: "Vielleicht, weil keiner an den Atomkonsens glaubt?" Einen Ausstieg aus dem Ausstieg könne sich diese Regierung gewiss nicht leisten. "Aber hat Rot-Grün den Einstieg in den Ausstieg überhaupt schon geschafft? Seit der Vereinbarung vom Juni 2000 ist kaum etwas darüber zu hören gewesen, wie es nun weitergeht."