Von erfolgreicher Polizeiarbeit berichten "Tagesspiegel" und "Bild": "25-jähriger gesteht Mord an Ulrike", schreiben vergleichsweise nüchtern die Berliner, "Lasst ihn nie wieder raus", fordert das Boulevardblatt, und breitet vor seinen Lesern lüstern die grausigen Details aus: "Wie er Ulrike vergewaltigte. Wie er Ulrike erdrosselte".

"Tageszeitung" und "Süddeutsche Zeitung" beleuchten einen prominenten Wendehals: "Schily droht Blockierern mit der Härte des Gesetzes", heißt es aus München über des Innenministers paragrafenklirrendes Politikverständnis, "Schily wird nachtragend" titeln - wie gewohnt mit leichter Hand - die Berliner über den bekehrten ehemaligen Anti-Atom-Blockierer.

Das "Handelsblatt" lenkt seinen Blick nach München. Dort entstehen mit der geplanten Übernahme der Dresdner Bank durch den Allianzkonzern und einer exklusiven Verbindung zwischen Münchner Rückversicherung und Hypo-Vereinsbank zwei gewaltige Finanzdienstleister. Schlagzeile: "Allianz baut Allfinanzkonzern". Der Stabreim stimmt, aber am Rhythmus könnten die Düsseldorfer noch ein bisschen arbeiten.

Auf einem anderen Stern scheinen die Macher der "Welt" zu leben: "US-Firma bereitet das Klonen von Menschen vor", liest man dort als Aufmacher, und: "Schröder will Deutschland familienfreundlicher machen". Gar von einer "Revolution auf dem Golfplatz" ist auf der Titelseite die Rede, und man fragt sich augenreibend, ob sich die Redakteure bei Axel Springer vielleicht im Tag geirrt haben.

Müller und der Nationalstolz

"Eigentlich hatte man gehofft", schreibt Heribert Prantl in der "Süddeutschen Zeitung", "das ganze Gestolze ginge mit dem Tag der Landtagswahlen [...] zu Ende". Doch auch in der gestrigen Trittin-Debatte im Deutschen Bundestag "waberte, wogte und wallte der Stolz schon wieder durchs Hohe Haus". In seinem lesenswerten Kommentar kritisiert Prantl den Stil der deutschen Parlamentarier: "Im Handbuch des Polizeirechts gibt es eine lange Ausführung dazu, warum De-Eskalation wichtig ist und wie sie funktioniert, Im Handbuch des Bundestags steht davon leider nichts. [...] selbst in Gorleben klappt De-Eskalation besser als dort."

Einzig die Rede des parteilosen Wirtschaftsministers Werner Müller beeindruckte die Kommentatoren: "Seine Aufforderung an CDU/CSU und FDP, sich doch wieder auf die Sacharbeit zu konzentrieren, auf dass man in Deutschland 'auch Stolz auf die Opposition sein kann', war ein kleines Kabinettstück", urteilt Heribert Prantl, und Axel Vornbäumen resümiert in der "Frankfurter Rundschau": "Wenn in diesen Tagen, was so unwahrscheinlich nicht ist, mal wieder einer fragen sollte, worauf man stolz sein kann, dann kann man antworten: beispielsweise auf Werner Müller."