Die Felder seines Hofes fallen ab zu der sich in die Vorberge des schottischen Hochlands windenden Bucht von Cromarty. Die untere Hofeinfahrt ist mit Strohballen blockiert. Auf der oberen Einfahrt liegt eine Entseuchungsmatte. Eine Notiz warnt: "Maul- und Klauenseuche. Bitte nicht betreten." Eisiger Ostwind bläst den klinischen Geruch von Desinfektionsmitteln und Kadavern über das Land.

Jenseits der Bucht desinfiziert Tom Robb am Hoftor der Newmore Mains Farm seinen dunkelgrünen Landrover. Hinter ihm ragen öde, mit Asbestplatten eingedeckte Schober auf. "Alles erledigt", sagt er knapp. "Die Jungs vom Ministerium haben astrein gearbeitet. 400 Schafe in zwei Stunden. Um halb elf legten sie los, um halb eins waren sie fertig. Eine halbe Stunde später war alles unter der Erde."

Ja, natürlich, räumt er dann ein, niemand sehe es gerne, wenn seine Tiere vernichtet werden. Aber was sein muss, muss sein. "Schafe für die Nachzucht können wir wieder kaufen." Er lacht kurz, und in dem Lachen lässt sich doch eine Spur Bitterkeit vernehmen: "Falls es dann noch welche gibt."

Landein, wo das Tal der Beauly sich zu schneebedeckten Bergkuppen hinaufwindet, breitet sich frisch geeggte schwarze Erde über einen Winkel in der Talsohle. Ein melancholisch verträumter Winkel. Der Fluss gurgelt. Unter der schwarzen Erde liegen 313 Lämmer und Mutterschafe begraben. Die Straße, die nach Craigscorrie hinaufführt, ist gesperrt. Dort liegt Charles Barcleys Hof. Eines seiner Schafe war mit seinen Zwillingslämmern immer wieder in den Garten des Bauernhauses eingebrochen, bevor die Leute vom Landwirtschaftsamt kamen, erzählt er. "Es gehörte fast schon zur Familie." Er wird das große Schlachten nie vergessen. "Die Lämmer wurden mit Spritzen getötet, die starben ganz schnell. Aber wie die Mutterschafe erschossen wurden, das war fürchterlich."

Charles Barcley ist Pachtbauer dreier Höfe auf dem Clanland der Lovats. Tom Robb verwaltet zwei Höfe, die einem Londoner Geschäftsmann gehören. Bill Keith ist selbstständiger Farmer, er besitzt 120 Hektar Acker- und Weideland auf der fruchtbaren Black Isle. Ein Leben lang baute er Gerste an und zog Schafe und Rinder.

Die Geschichte der drei Farmer und der Seuche ist ein Gleichnis der Sinnverkehrung moderner Landwirtschaftspolitik. Es ist eine Geschichte, in der die Politik das Gegenteil dessen erreicht, was sie bezwecken will, in der das größere Gut dem kleineren geopfert wird - und in der die Verlierer letztlich gewinnen.

Alle drei Bauern versichern, ihre Schafe seien gesund gewesen. Tom Robb und Charles Barcley hatten seit Wochen nach Symptomen der Seuche Ausschau gehalten. Die Veterinäre des Landwirtschaftsamtes verzichteten auf eine Diagnose. Dafür bleibe keine Zeit, dafür gebe es keine Laborkapazitäten, erklärten sie, als sie am Telefon die Tötung der Herden ankündigten. Im modernen Agrarmanagement ist MKS eine Bedrohung, die es um jeden Preis zu eliminieren gilt. Vor allem dem Export zuliebe. Der Export erfordert den MKS-freien Status eines Landes. Ohne das Exportgeschäft bricht die Landwirtschaft zusammen. Tierärzte sind in diesem System nicht mehr dazu da, zu impfen und zu heilen, sondern die Hinrichtung der Kreatur so effizient als möglich zu organisieren.