Letzten Sommer verkündeten Freundinnen von Popliteraten begeistert, dass sie sich Oberarmtaschen von H & M zugelegt hätten. Ich glaube kaum, dass sie die noch tragen. Nicht, weil da nichts reinpasst oder weil sie ihre Oberarme nicht mehr zeigen wollen, sondern weil sie schon drei Taschengenerationen weiter sind. Diese Damen, und dazu zählen zum Beispiel auch Bedienungen aus dem Café Bravo in Berlin, die sich aus Thailand perfekte Kopien von Louis-Vuitton-Klassikern mitbringen lassen (für 300 Mark, circa 1500 Mark billiger als das Original), gehören also zu den Menschen, die sich diesen Frühling auf die zitronengelbe Handtasche von Miu Miu stürzen werden.

Die sieht gut aus zu blasser Haut und schwarzen Hemdblusen. Richtig kombiniert - bei Miu Miu gibt's einen Haufen fahlfarbiger Outfits dazu - ist das Glamourpunk-Understatement. Und die Farbe: fast schon Neon eben. Sehr praktisch auch, dass sich der gewebte Gurt verlängern lässt. So kann das Knautschteil an der Taille baumeln, am Schulterblatt oder am Armgelenk. Die Kür ist aber, es wie eine Oberarmtasche locker unter die Achsel zu klemmen und dabei nicht doof auszusehen. Verkäuferinnen versichern einem immer, dass es Frauen gibt, die das können. Leider ist dann immer gerade keine von denen im Laden.

Wem das alles zu umständlich ist: Ohne Riemen - übrigens ein dezentes Detail der diesen Sommer so gefragten Militarymode - hat man ein kleines Beautycase. Nahezu perfekt, oder? Das stellt man auf den Schminktisch, setzt sich in den Fernsehsessel und guckt sich die Taschenparade an, die den halben Zimmerboden bedeckt. Was nun? Da klingelt das Telefon, jemand lädt zu einer Party ein. Jetzt bloß nicht lange überlegen: Gurt anklicken, Schuhe an und los. Sollen die anderen Taschen doch denken, was sie wollen.

Zitronengelbe Miu Miu Tasche mit abnehmbarem Gurt, 459 Mark, Department-Store, Quartier 206, Friedrichstraße 71, 10117 Berlin