Die Botschaft des Schreckens kam ganz beiläufig in einem Brief an vier republikanische Parteifreunde. Das Schreiben wurde publik, und so erfuhr - nicht gerade die Hohe Schule der Diplomatie - auch der Rest der Welt, wie der mächtigste Politiker des Planeten mit einer wahrhaft planetarischen Herausforderung umzugehen gedenkt: völlig ignorant.

Das Wissen um die Gefahr der globalen Erderwärmung war noch nie so umfassend wie heute. Erst kürzlich hat ein hochrangiges UN-Wissenschaftlergremium vor den katastrophalen Folgen des Treibhauseffekts gewarnt: vor Dürren und Fluten, vor Hunger und Seuchen. Doch der amerikanische Präsident George W. Bush hält diese Erkenntnisse für "unvollständig" - und tritt nun zur Freude aller Klimasünder auf die Bremse. Amerikanische Kohlekraftwerke sollen weiter ungestört Treibhausgase in die Erdatmosphäre pusten dürfen. Das Klimaschutzabkommen, um das die Weltgemeinschaft seit einer halben Dekade ringt, will Bush entsorgen: "Wie Sie wissen, bin ich gegen das Kyoto-Protokoll ...", lautet seine Botschaft.

Auf halber Streckezwischen der im November ergebnislos vertagten Klimakonferenz in Den Haag und der für Juli anberaumten Fortsetzung in Bonn bleibt die globale Umweltpolitik stecken - dank amerikanischen Widerstands. Erst, 1997 in Kyoto, sorgten die Vereinigten Staaten dafür, dass das Klimaschutzabkommen in ein nur noch Eingeweihten verständliches Paragrafenmonstrum verwandelt wurde. Dann scheiterte die Den Haager Konferenz an den amerikanischen Unterhändlern, weil sie die Schlupflöcher des Kyoto-Protokolls über Gebühr ausreizen wollten. Nun, so scheint es, will die neue Regierung in Washington das ganze Vertragswerk über Bord werfen. Obwohl sich die Warnzeichen des Treibhauseffekts mehren, droht das Ende der globalen Klimapolitik. Bizarrer geht es kaum.

Der Protest der Europäer und der weltweiten Ökogemeinde wird die US-Regierung kaum beeindrucken. Auch deshalb nicht, weil den Amerikanern nicht verborgen blieb, wie schwer sich auch die Länder jenseits des Atlantiks mit dem Klimaschutz tun. War nicht vor fast neun Jahren der damalige EU-Umweltkommissar Carlo Ripa di Meana der Umweltkonferenz von Rio ferngeblieben, weil er unter den Europäern klimapolitische "Heuchelei" ausgemacht hatte?

Tatsächlich wollte Europa schon in Rio mit einer EU-weiten Öko- oder Energiesteuer Eindruck schinden; sie fehlt bis heute. Und waren die Europäer nicht mit dem Ansinnen nach Kyoto gefahren, sämtliche Industriestaaten zu Emissionsminderungen in Höhe zweistelliger Prozentsätze zu verpflichten? Heute quält sich die EU damit, ihre Emissionen bis um das Jahr 2010 wenigstens um acht Prozent zu verringern. Von solchem Pharisäertum müssen sich die Europäer verabschieden, wenn sie das Klima vorerst allein, ohne Amerika, schützen - und wenn sie Bush zum Einlenken bewegen wollen.

Der Klima-GAU droht. Ob er noch abzuwenden ist, hängt vor allem von der Wirtschaft ab. Deren Wachstum wolle er nicht gefährden - so hat Bush seine Äußerungen begründet. Ökonomisch fundiert ist das nicht. Denn erstens haben sich längst auch amerikanische Konzerne wie Ford oder DuPont klimapolitisch auf den Weg gemacht. Blockiert Präsident Bush die internationale Umweltpolitik, bringt er sie um die Früchte ihrer Bemühungen.

Zweitens gleicht die amerikanische Wirtschaft in puncto Energieeffizienz eher der eines Entwicklungs- als der eines Industrielandes. Mit wenig Aufwand ließe sich viel Energie einsparen. Und schließlich, drittens, passt es nicht zusammen, Kohlekraftwerke von Auflagen und Abgaben verschonen zu wollen, um ihnen Kosten zu ersparen, gleichzeitig aber den Bau neuer, teurer Atommeiler zu propagieren.