Loske: Schönen guten Morgen.

Birke: Herr Loske, wenn sich die Nation, die vier Prozent der Weltbevölkerung stellt, aber ein Viertel aller schädlichen Kohlendioxidmengen in die Luft pustet, Kyoto verweigert, macht dann dieser Weg, macht dann die im Sommer geplante Umweltkonferenz in Bonn überhaupt noch Sinn?

Loske: Ich würde sagen auf jeden Fall, denn das was jetzt herausgekommen ist sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite ist es natürlich vollkommen ernüchternd, dass sich die USA jetzt wieder ausschließlich auf vermeintlich nationale Interessen konzentrieren, aber auf der anderen Seite hat das natürlich auch etwas Entlastendes, weil diejenigen, die jetzt wirklich Klimaschutz wollen, können beginnen. Das fordert natürlich vor allen Dingen von der Europäischen Union eine diplomatische Vorreiterrolle, die jetzt ergriffen werden muss.

Birke: Sie plädieren also für einen Alleingang der anderen?

Loske: Alleingang wäre übertrieben. Wir haben ja beim Kyoto-Protokoll die Regelung, dass es mindestens von 55 Staaten ratifiziert werden muss. Diese Staaten müssen für 55 Prozent der Industrieländer-Emissionen verantwortlich sein. Das heißt, man kann das Kyoto-Protokoll auch ohne die Vereinigten Staaten in Kraft setzen, denn die stoßen ungefähr 25 Prozent der CO2-Emissionen aus. Man kann es so sagen: Langfristig ist Klimaschutz ohne die Vereinigten Staaten unmöglich, aber kurzfristig sollten sich diejenigen, die handeln wollen, nicht von den Amerikanern hindern lassen. Das setzt natürlich voraus, dass die USA auf der Konferenz von Bonn von ihrer Vetomacht nicht Gebrauch machen. Das ist natürlich die diplomatische Voraussetzung.

Birke: Wie kann man denn die USA langfristig unter Druck setzen, sie wieder ins Boot des Klimaschutzes zu bekommen? Welche Druckmittel haben die Europäer?

Loske: Zunächst einmal muss man natürlich sehen, dass Klimaschutz nicht nur, wie das jetzt dargestellt wird, eine Last ist, sondern dass es vor allen Dingen auch eine moralische Verpflichtung und auch eine Chance ist, denn man kann sagen, dass derjenige, der bei erneuerbaren Energien, bei Effizienztechnik, bei moderner Kraftwerkstechnik die Nase vorn hat, auch auf den Weltmärkten der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Deswegen kann ich mir durchaus vorstellen, wenn klar wird, dass wenn wir Richtung Klimaschutz gehen, Modernisierung des Energiesystems, dass dann auch viele US-amerikanische Unternehmen, die ja schon heute dort an der Spitze sind, Druck auf die US-Regierung ausüben, sich dort nicht völlig auszuklinken. Bush ist das eine in den USA, aber die USA sind auch das Land mit sehr innovativen Unternehmen, mit einer wirklich ausgezeichneten Klimaforschung, mit einer sensiblen Öffentlichkeit, die immer wieder dann reagiert, wenn es beispielsweise wetterextreme Stürme vor Floridas Küste und so weiter gibt. Das heißt man darf durchaus annehmen, dass es in den USA nach wie vor eine sensible Öffentlichkeit gibt. Das was Bush da macht ist nicht durchweg die Position der Bevölkerung der Vereinigten Staaten.