Steiner: Guten Morgen Herr Remme.

Remme: Herr Steiner, ohne die Drohung der USA, finanzielle Hilfe zu verweigern, wäre Milosevic sicherlich noch auf freiem Fuß. Zeugt das nicht von einer gewissen Halbherzigkeit, mit der man den Fall Milosevic in Belgrad verfolgt?

Steiner: Ich glaube nicht, dass man das so sehen kann. Der serbische Premierminister war ja vor kurzem in Berlin. Dort hat er genau dieselbe Nachricht erhalten. Ich glaube, das ist auch verstanden worden. Wir haben jetzt immerhin einen wichtigen und richtigen Schritt und es ist gut, dass der als Kriegsverbrecher gesuchte Milosevic jetzt hinter Gittern ist.

Remme: Ist es trotzdem richtig, dass sich Jugoslawien in erster Linie der Drohung der USA gebeugt hat, finanzielle Hilfen zu verweigern?

Steiner: Das glaube ich deswegen nicht, weil die Botschaften, die nach Jugoslawien gegangen sind, auch von der Europäischen Union genau in dieselbe Richtung gingen und es war seit Monaten klar, dass man zunächst der Demokratisierung eine Chance geben wollte, aber gesagt hat, nun ist es auch gut, nun muss auch der nächste Schritt folgen.

Remme: Hat die Bundesregierung ihre wirtschaftliche Hilfe für Jugoslawien eigentlich an dieselben Bedingungen geknüpft?

Steiner: Ich glaube es geht darum, dass die serbische Seite die jugoslawische Seite verstanden hat, dass die Europäische Union sich nur dann in dem gleichen Maße voll engagieren kann, wie man sich das erhofft, wenn auch dort die Verpflichtungen erfüllt werden. Ich muss ja sagen, dass es nicht nur um etwas geht, was wir von der serbischen Seite wünschen, sondern dass es um etwas geht, was im Interesse der Serben, aber auch der Menschen in der Region liegt.