Während Sie hektisch eine gelbe Telefonzelle suchten, kamen Sie dahinter, dass sich die Telefonnummer desjenigen, den Sie treffen wollten, im saftlosen Handy befand. Also erst die Auskunft bemühen.

Als Sie endlich eine Telefonzelle fanden, war sie grau statt gelb, und das Telefon funktionierte nur mit Karte, die Sie natürlich nicht hatten. Eine halbe Stunde später, jemand ließ Sie gegen Cash von seinem Handy telefonieren, war auf der anderen Seite noch nicht mal mehr die Mailbox dran.

Ihre Verabredung war ernsthaft sauer, und Ihren Akku laden Sie jetzt immer auf. Wer benutzt heute schon noch eine Telefonzelle?

Da macht es nicht mehr viel, dass es bald ganz vorbei ist mit ihnen: In zwei, drei Jahren werden die 130 000 öffentlichen Fernsprechzellen in Deutschland verschwunden sein. Endgültig, nicht wie jetzt, wo sie noch da sind, man sie aber kaum noch sieht. Telefonzellen sind nicht mehr gelb, sie sind grau wie Bürohäuser und Business-Anzüge, "magentafarben", beschreibt sie ein Sprecher der Telekom und meint die wenigen pinkfarbenen Stellen, die von der Grauheit ablenken sollen. Vergeblich, sie gliedern sich unauffällig, fast transparent, in das moderne Stadtbild ein, so transparent, dass ihr endgültiges Verschwinden kaum jemandem auffallen wird.

Es ist das unscheinbare Ende einer großen Erfolgsgeschichte. 1899 stellte man in Berlin in öffentlich zugänglichen Innenräumen die ersten 100 Fernsprechautomaten auf. Damit der Telefonierer seine Umgebung nicht allzu sehr störte und umgekehrt, baute man eine Art Häuschen um das Telefon, 1,60 Meter tief, 1,30 Meter breit und über zwei Meter hoch. Die Innenwände waren mit Baumwollstoff tapeziert, eine Seitenwand hatte ein großes Fenster. Fünf Minuten kosteten 50 Pfennig.

Trotzdem, die Telefonzelle war der Durchbruch zum "Telefon für alle". Spätere Modelle aus Metall und Glas wurden draußen aufgestellt und hatten einen finanziellen Nebeneffekt: Vor Wind und Wetter geschützte Telefonierer telefonieren länger. Der Aufkleber, der seit den zwanziger Jahren im Kommandoton mahnte: "Fasse Dich kurz!", war irgendwann unauffällig verschwunden.

Anfang der neunziger Jahre erlebte der öffentliche Fernsprecher seinen letzten großen Aufschwung: Knapp 200 000 Häuschen zählte man in Deutschland. Grund waren die Ostdeutschen, für die es ein ziemliches Wunder war, dass es Telefonzellen gab, die tatsächlich funktionierten. Doch deren anfängliche Begeisterung fürs abendliche Schlangestehen vor der Zelle legte sich in dem Maße, wie in den neuen Ländern die Zahl der Privatanschlüsse wuchs.