Seit Jahrhunderten denken die Sozialtheoretiker und Ökonomen darüber nach, ob der Luxus die Armut verursacht. Im Jahre 1705 veröffentlichte der Holländer Bernard Mandeville in London eine (zunächst anonyme) Schrift, die als »die Bienenfabel« in die Geistesgeschichte eingegangen ist. Sie empörte vor allem die Kleriker und Moralapostel ihrer Zeit, denn sie befand, dargelegt am Beispiel eines Bienenstocks: Solle doch jeder seinen egoistischen Interessen nachgehen, dann kommt für alle letztlich das Beste heraus - »private Laster, öffentliche Vorteile« hieß ihr Untertitel.

Heute weiß man, dass es ganz so einfach nicht ist. Der Mensch ist kein soziales Insekt, sondern ein Primat mit freierem Handlungsrepertoire, weshalb sein Egoismus sehr wohl sozialschädlich sein kann. Und wenn, im Mandeville'schen Sinne, früher behauptet wurde, dass der Luxus vielen Menschen Arbeit gibt, nämlich den Produzenten der Luxuswaren, so weiß man heute doch, dass die Produktion des einen Guts die des anderen zum gleichen Zeitpunkt ausschließt. Allerdings kommt es auf die Worte »zum gleichen Zeitpunkt« an. Sehr wohl kann die Produktion von Luxusgütern eine Konjunktur ankurbeln, die später anderen Produktionszweigen zugute kommt, umgekehrt kann sie durchaus Investitionen hemmen und damit die Wirtschaft lähmen. Ökonomisch gesehen, kommt es bei der Wirkung des Luxus also stets auf die Zeitumstände an.

Im Prinzip trifft noch immer zu, was der Aufklärer Denis Diderot bereits im 18. Jahrhundert schrieb: »Da der Wunsch, sich zu bereichern, und der Wunsch, den Reichtum zu genießen, in der Natur des Menschen liegen, seit er in der Gesellschaft lebt; da diese Wünsche die großen Gesellschaften erhalten, bereichern und beleben; da der Luxus ein Glück ist und von sich aus kein Unglück anrichtet: so darf man weder als Philosoph noch als Herrscher den Luxus als solchen angreifen.«

Diderot also. Ich habe ihn immer geschätzt. Nun trinke ich auf ihn! Sie auch?

Das fragt

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