Die Zeitschrift Max will wichtig werden. Wichtig tun kann sie schon. Im aktuellen Heft erweckt sie den Eindruck, der Kopf der Popgruppe Modern Talking, Dieter Bohlen, der bei Auftritten neben dem eigentlichen Sänger Thomas Anders steht, singe nicht. 13 Seiten und den Titel widmet Max dem Artikel des Bunte-Autors Michael Kneissler. Jeden Beweis für die rasante These bleibt er schuldig. Einziges Indiz ist die Klageschrift von drei Sängern, die, was niemand bestreitet, wesentlich zum charakteristischen Falsett der Songs beigetragen haben und von Modern Talking mehr Geld wollen. Die drei sagen aber zum Fall nichts. Ob Bohlen ebenfalls singt? Man weiß es nicht. Max tut aber so, als ob und bildet auf dem Titel Bohlen ohne Mund ab, meidet jedoch im Text jede justiziable Aussage: "Möglicherweise" gaukle Bohlen den Fans etwas vor, dies sei "nicht unmöglich" et cetera. Offen bleibt die Frage, warum so etwas einen "großen Schatten" auf jemanden werfen sollte, der seit 17 Jahren auf der Bühne mit einer E-Gitarre steht, die weder angeschlossen noch in den Liedern zu hören ist.

Mit Bahn und Bus braucht man keine zwei Stunden, um von Köln nach Marl zu kommen. Hans W. Geissendörfer, Chef der ARD-Seifenoper Lindenstraße, fand diese Zeit nicht, um sich seinen für herausragende Leistungen verliehenen Grimme-Preis "mit Gold" abzuholen. Das könnte man, ginge bei Grimmes nicht alles sehr gelassen zu, als Eklat bezeichnen. Denn gleichzeitig ließ er ausrichten, dass er die Auszeichnung als überfällig empfand: Die Jury habe "endlich erkannt, dass auch populäres Fernsehen ein Teil unserer Kultur ist", sie habe die Lindenstraße "endlich verstanden" und dafür selbst den Grimme-Preis verdient.

Und wo bleibt das Positive? Hier: Ab dem Frühjahr werden viele deutsche Friseursalons mit Flachbildschirmen ausgestattet, auf denen das Deutsche Frisör Fernsehen läuft. Die Zielgruppe sitzt, wie das DFF formuliert, "über einen längeren Zeitraum entspannt, hochkonzentriert und bei bestimmten Produkten konsumfreudig" davor. Werbers Traum.