Sportgate? Da war doch was? Genau. Eine spektakuläre Pressekonferenz im August 2000, mit Boris Becker am Brandenburger Tor, zur Präsentation einer neuen Internet-Idee. Statt Pressekonferenz sollte man besser Menschenauflauf sagen: Dutzende von Fotografen, Hunderte von Touristen, sechs Fernsehteams umlagerten vor allem Boris Becker, der damals gerade im AOL-Spot online gegangen war - ein gutes Zugpferd also für ein neues Internet-Portal. Sportgate.com sollte eigentlich schon kurz darauf, zu den Olympischen Sommerspielen im September, an den Start gehen, verschwand aber für acht Monate in der Versenkung. Erst seit Dienstag dieser Woche ist sportgate.com online. Das nennt man, angesichts der aktuellen Konjunkturschwäche, wohl antizyklisch.

Marcel Reichart, Vorstandsmitglied von Sportgate, sieht das natürlich anders. Inhalte und Zielgruppe sollen es richten: "Siebzig Prozent aller Deutschen sind sportlich interessiert, damit potenzielle Sportgate-User. Und wenn man weiß, dass erst 30 Prozent aller Deutschen einen Internet-Zugang haben, können wir mit unserem Angebot und unseren Erwartungen nicht ganz falsch liegen. Das hat Potenzial." Darüber hinaus gebe es mit dpa, dem Sportinformationsdienst und sports.com erst drei reine Online-Anbieter für des Deutschen liebstes Kind.

Sport sells - das mag schon sein. Die großen Sportarten sind gute Handelsware. Im TV-Poker bei den Fußball-Übertragungsrechten werden Milliarden über den Tisch geschoben. Aber Tabellen und Torschützenlisten im Internet? Die wichtigsten Sportnachrichten des Tages laufen sowieso bei arrivierten Info-Websites wie Spiegel online oder der Netzeitung. Wozu da noch bei Sportgate klicken? "Weil wir das erste Online-Sportnetzwerk sind", sagt Reichart.

Mit dem Deutschen Sportbund und dessen Präsidenten Manfred von Richthofen als Gesellschafter hat Sportgate 86 000 deutsche Sportvereine und 27 Millionen Mitglieder im Rücken. Die meisten Dorfvereine kennen das Wort "Website" bisher nur aus dem AOL-Spot. Und wenn die nun, wie Boris Becker, auch endlich "drin" sein wollen, sollen sie sich den vollen Homepage-Service bei Sportgate holen: Sponsorenakquise, Rechnerbeschaffung, Website-Gestaltung, Vernetzung. Ende Juni soll es mit dieser Plattform so weit sein. Darüber hinaus gibt es auf sportgate.com natürlich das, was es woanders im Netz auch gibt, nur gebündelter: Zahlen, Tabellen, News, vor allem aus den Regionen und aus 40 ausgewählten Sportarten. Darunter Disziplinen wie Kufensport, Frauenfußball, Schach, Rugby oder Tauchen.

Das Sonntagsspiel des SV Nürtingen live

Damit sich die Präsentation vom Agentur-Einerlei abhebt, stehen 40 so genannte Online-Guides mit Kommentaren für eine Sportart Pate, Sabine Bau zum Beispiel für Fechten. Das sind sicher exklusive Inhalte. Fragt sich bloß, ob der gemeine Sportfan mit solchen Betrachtungen etwas anfangen kann. Da erscheint die Internet-Plattform für die Sportvereine und ihre Mitglieder schon vielversprechender. Das Sonntagnachmittagsspiel vom SV Nürtingen findet in der Lokalzeitung erst einen Tag später statt. Im Internet geht das alles viel schneller. Die Sportgate-Macher träumen von Fußballübertragungen via Webcam und Internet auf den PC, später auf das Video-Handy, wenn der neue, schnelle Übertragungsstandard UMTS auf dem Markt ist.

Mit den Inhalten könnte man dann auch im Internet Geld verdienen. Pay-per-View: Ein Webcam-Scout dreht die Tore vom SV Nürtingen oder von Klipper Hamburg, DJugend - zu sehen exklusiv bei sportgate.com. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. "Drei Jahre", schätzt Marcel Reichart, "dann haben wir die Zugangstechnologie für solche Sportübertragungen aus den Regionen." Bis dahin muss sich Sportgate finanziell über Wasser halten. Denn der herkömmliche Online-Werbemarkt gibt im Moment nicht viel her. Das weiß auch Sportgate und setzt auf integriertes Sponsoring: "Die regionale Sparkasse Baden-Württemberg präsentiert Ihnen den Chat mit Boris Becker."