Fast alle Tageszeitungen machen heute mit diesem Ereignis auf: "Kleine Zelle für Großserben", titelt die "tageszeitung", "UN-Tribunal fordert die Auslieferung von Milosevic", die "Süddeutsche Zeitung". Unter dem Seitenbruch finden sich zumeist Meldungen über die Stichwahl in Frankfurt, den Landesparteitag der FDP in Bochum und die Ölpest an der dänischen Ostseeküste. Die "Bild" macht mit dem Formel1-Rennen in Brasilien auf ("Schumi nass gemacht. Chaos-Rennen im Regen"), das "Handelsblatt" mit der geplanten Fusion zwischen der Allianz und der Dresdner Bank ("Freie Bahn für Allianz"). Zum Gernlesestoff gehört auch heute wieder die Spaßrubrik "Die Ecke" der "Frankfurter Rundschau", die auf der Titelseite links unten zu finden ist. Diesmal geht es um eine britische Studie, wonach Kopfbälle auf Dauer die Hirnleistung von Fußballspielern vermindern. Die kluge Überschrift: "Lass et, Otze!"

Milosevic in Haft

Wie geht es weiter mit Milosevic, dem Mann, der in seinem Größenwahn den ganzen Balkan in Brand setzte? Der jugoslawische Regierungschef Djindjic und sein Präsident Kostunica, sind sich darüber uneins, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrem Titelkommentar ausführt: "Djindjic und seine Freunde würden Milosevic gerne nach Den Haag ausliefern - um des internationalen Ansehens willen und auch wegen der Finanzhilfen, die dann üppiger fließen würden. Kostunica dagegen, der als serbischer Nationalist die Nato-Aktion gegen Jugoslawien als völkerrechtswidrig ansieht und dem Internationalen Strafgerichtshof die Legitimität abspricht, will Milosevic zu Hause zur Verantwortung ziehen. Das hat unter volkspädagogischen Aspekten seinen Sinn. Das letzte Wort über Milosevic Untaten darf es nicht sein". Ähnlich argumentieren auch alle anderen Kommentatoren, sie formulieren ihre Schlussfolgerungen nur teilweise schärfer. In der "Süddeutschen Zeitung" schreibt Peter Münch: "Erst mit einer Überstellung Milosevics nach Den Haag ist die serbische Wende vollzogen. Nur wenn sich die Serben ihrer eigenen Vergangenheit stellen und daraus Konsequenzen ziehen, ist der Neuanfang glaubhaft. Eine solche Vergangenheitsbewältigung ist gewiss schmerzhaft. Doch sie ist Voraussetzung dafür, dass die Nachbarn ihren Frieden mit den Serben machen können."

Roth gewinnt, Westerwelle auch

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis hat die CDU-Kandidatin Roth die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt gewonnen. Sie erhielt 53,1 Prozent der Stimmen, ihr sozialdemokratischer Herausforderer Vandreike 46,9 Prozent. Roth kann folglich weiterregieren. Etwas verbittert zieht die "Frankfurter Rundschau", die sich in Sachen CDU-Schwarzgeldaffäre publizistisch vehement engagiert hatte, Bilanz: "Aus Sicht des hessischen Ministerpräsidenten und CDU-Landesvorsitzenden Roland Koch ist mit dem Sieg der amtierenden Oberbürgermeisterin der letzte kleine Schönheitsfehler ausgebügelt, der auf dem für ihn schmeichelhaften Kommunalwahlergebnis vor zwei Wochen noch lastete. Landesweit hat Koch - trotz des nicht aufgeklärten und juristisch nicht aufgearbeiteten Spendenskandals seiner Landespartei - damit für ihn eher beruhigende Aussichten für die in knapp zwei Jahren anstehende Landtagswahl."

Erleichtert kann wohl auch der designierte FDP-Vorsitzende Westerwelle sein. Es gelang ihm auf dem Parteitag in Bochum, sich seinen Konkurrenten Möllemann vom Leib zu halten. Gemäß Westerwelles Wunsch vertagten die Delegierten die Frage, ob Möllemann zum Kanzlerkandidaten der Partei aufrücken darf. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt in ihrem Kommentar: "Wenn es Möllemann nicht einmal in seinem eigenen Landesverband schafft, sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen zu lassen, dann werden andere Landesverbände diese Botschaft als Signal empfinden. Die FDP-Basis, auch in Nordrhein-Westfalen, hat genug von den persönlichen Rangeleien ihrer Parteispitze. Sie sehnt sich nach klarer Führung. Diese Aufgabe soll Westerwelle und nicht Möllemann erfüllen. Das ist die Botschaft von Bochum."

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