Noch ein wenig im Schatten, aber mit dem Potenzial zum seitenfüllenden Medienthema der Zukunft, steht das zweite herausragende Ereignis dieser Tage – der Luftzwischenfall über dem Südchinesischen Meer. Er droht, die Diplomatie zwischen den USA und China auf eine harte Probe zu stellen. "USA setzen Zerstörer in Marsch", textet zum Beispiel die "Welt" groß auf der Eins.

Verteilt auf Aufmacher, Randspalten und Berichte unter dem Seitenbruch finden sich die weiteren Ereignisse des Tages: "CDU gibt Widerstand bei Rente auf", meldet der "Tagesspiegel", "Regierung in Sorge. Konjunktur kommt ins Stottern", die "Bild"-Zeitung. Dazu passt eine Meldung des "Handelsblatts": "Preiskrieg am Telefonmarkt treibt Teldafax ins Aus". Wieder mal mit Wortwitz macht die "tageszeitung" auf: "Du sollst keine andere Währung haben neben mir". Gemeint ist natürlich der Euro, nicht die Mark.

Der serbische Patient

"Wie weit ist Serbien? Was kann man dem Land, was dem Volk zumuten?", fragt die "Frankfurter Allgemeine" im Titelkommentar. Soll dem serbischen Volk nach einem Jahrzehnt der Kriege eine Pause gegönnt werden? Oder würde genau das den derzeit gut geölten Prozess der demokratischen Revolution zum Erlahmen bringen? "Die Erfahrungen (...) haben gezeigt, dass unvermeidliche Reformschritte immer beschwerlicher werden, ja länger man sie aufschiebt", meint die "Frankfurter Allgemeine" dazu. Wie auch immer, in diesem Prozess spielt der Umgang mit dem Problemfall Milosevic eine wichtige Rolle. So bei der Auslieferung an das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag: "Wird Milosevic von fremden Richtern in einer fremden Sprache auf Grund einer undurchsichtigen Prozessordnung verurteilt, anstatt auf Grund normal verabschiedeter Strafgesetze, kann er als Märtyrer hochstilisiert werden", warnt Gast-Kommentator Ivan Invanji in der "tageszeitung". Bliebe Milosevic allerdings für immer im Lande, dürfte das neue Serbien es schwer haben, Anerkennung in Europa zu finden. "Keiner der Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens, und keines jener Länder, die an den verschiedenen Friedensverhandlungen beteiligt waren, können etwa aus Gründen politischer Opportunität eine Verweigerung der Überstellung mit dem Hinweis auf eine Aburteilung vor einem nationalen Gericht begründen oder gar eine Amnestie verlangen", schreibt das "Handelsblatt". Dass dem serbischen Volk in dieser Frage nicht zu viel und nicht zu schnell etwas zugemutet werden sollte, darauf weist der Gast-Autor Beqë Cufaj im Feuilleton der "Frankfurter Allgemeine" hin: "Jeder Mensch ist in gewisser Weise ein Produkt seiner Umgebung. Dies gilt auch für den serbischen Ex-Diktator. Er war nicht denkbar ohne die serbische Bevölkerung und die serbischen Intellektuellen, die ihn hervorgebracht haben." Autor Beqë Cufaj ist Albaner.

Flugskooter über China

Ein amerikanisches Spionageflugzeug, bis unters Dach voll mit modernster Aufklärungselektronik, wird von einem chinesischen Jet gerammt und muss beim Klassenfeind notlanden. Das alles passiert wenige Wochen vor einer Entscheidung des US-Präsidenten, Aufklärungswaffen an das "abtrünnige" Taiwan zu liefern. Bingo – das ist der Stoff, aus dem Zeitungsseiten füllende Ost-West-Konflikte gemacht sind. Wer glaubt, das schwerfällige Propellerflugzeug der Amerikaner sei zufällig von einem äußerst wendigen Jet touchiert worden, könnte als naiv gelten. Wer denkt, der außenpolitisch noch unerfahrene US-Präsident würde sich eine derartige Provokation gefallen lassen, auch. Darauf weisen schon die ins südchinesische Meer entsandten Zerstörer hin. "Unter George W. Bush weht ein schärferer Wind. Die Drohgebärden nehmen zu", schreibt Sophie Mühlmann im Titelkommentar der "Welt" und spielt damit auch auf die wenige Wochen zurückliegende Bombardierung Bagdads an.

Aber macht eine Politik der Stärke wirklich Sinn? Mit Russland und mit China zur gleichen Zeit Streit anzufangen, erhöht höchstens die Bereitschaft beider Länder, sich gegen die USA zu solidarisieren. "Es ist nicht einzusehen, warum Washington eine noch intensivere militärische Zusammenarbeit zwischen Moskau und Peking geradezu heraufbeschwört", schreibt Gast-Autor Edward Luttwak ebenfalls in der "Welt". Warum bitte, bricht das angeblich so hoch erfahrene Bush-Team dann alle Regeln der Machtpolitik? Die Antwort auf diese Frage ist profan: Es gibt gar kein "Bush-Team", "sondern nur die widerstreitenden Impulse des Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, des Vizepräsidenten Dick Cheney, der Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice und des Außerministers Colin Powell", meint Luttwak. Ihre zunehmend offene Konkurrenz beeinflusse die Außenpolitik eines grundsätzlich ziemlich passiven US-Präsidenten.