Wer Geld sät, muss wissen, wann Zeit für die Ernte ist. James Goldsmith wusste es. Als der britische Finanzjongleur Anfang der achtziger Jahre den Holz- und Papiermulti Diamond International kaufen wollte, fuhr er mit seinem Wagen durch die riesigen Wälder, die dem Unternehmen gehörten. Goldsmith sah, dass die Bäume groß waren und reif zum Abholzen. Nur: Ihr Wert tauchte in der Bilanz gar nicht auf. Diamond International war unterbewertet. Goldsmith lieh sich Geld, kaufte das Unternehmen, zerschlug es und verkaufte die einzelnen Teile. Sein Gewinn war das Holz der Bäume: mehrere hundert Millionen Dollar. Als der Spekulant 1997 starb, beschrieb ihn die Times als Mann mit dem Instinkt eines Spielers.

Thomas Pütter ist kein Spekulant. Er ist auch kein Spieler. Dennoch gilt der 43-Jährige als Spezialist, wenn es darum geht, unterbewertete Firmen aufzuspüren. Der ehemalige Investmentbanker leitet die Beteiligungsgesellschaft Allianz Capital Partners (ACP), eine Tochter des Münchner Versicherungsriesen. Und gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Stefan Sanne (40) hat er bereits einiges aufgetan: den Industriegasehersteller Messer Griesheim zum Beispiel, den ACP gerade zusammen mit der Investmentbank Goldman Sachs für 1,4 Milliarden Mark kauft. Oder den Verpackungsproduzenten Schmalbach-Lubeca, Kaufsumme: rund 1,2 Milliarden Mark.

Investoren wie die ACP machen ein Geschäft, das man aus den USA schon lange kennt: Sie kaufen Unternehmen, bauen sie um und verkaufen sie mit Gewinn. Buy-out nennt man das. Mehr als 300 Milliarden Mark, schätzt die Investmentbank UBS Warburg, stehen in Europa für Buy-outs bereit. Vor allem in Deutschland lockt das große Geschäft. Hier treffen die Spürnasen auf Konzerne, die sich von alten Beteiligungen trennen wollen und das vom kommenden Jahr an auch steuerfrei tun können; hier finden sie mehr als 380 000 mittelständische Betriebe, die vor dem Generationswechsel stehen und nun auf Investoren hoffen, weil vielfach ein Nachfolger für den ausscheidenden Patriarchen fehlt.

Vorbei sind die Zeiten, als sich die heimischen Unternehmen durch ein Geflecht von gegenseitigen Beteiligungen nach außen abschotteten und so vor Übernahmen schützten. "Jetzt werden die verkrusteten Strukturen aufgebrochen", sagt Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). "Wir erwarten eine regelrechte Übernahmewelle." Wäre ganz Deutschland ein Kaufhaus, man könnte sagen, dass nun der Schlussverkauf beginnt. Es ist kein Plunder, der dabei über den Tisch geht, sondern gute Ware.

Viele Unternehmen wollen gekauft werden

Tatsächlich haben sich die Finanzinvestoren fast unbemerkt schon einige gute Stücke gesichert. Die Bundesdruckerei in Berlin heißt jetzt Au-thentos und gehört dem Buy-out-Spezialisten Apax Partners. Auch die Fischbrater der Nordsee-Kette und die Autobahnköche der Tank & Rast AG arbeiten für Apax. DB Investor, eine Tochter der Deutschen Bank, kaufte den Batterieproduzenten Varta. BC Partners übernahm den Armaturenhersteller Friedrich Grohe. Und Schroder Ventures erwarb den Marktführer für Autoschlösser, Kiekert.

Es gibt zwei Arten von Käufern: Unternehmen wie die Allianz oder die Deutsche Bank, die für ihr riesiges Vermögen lukrative Alternativen zu schwächelnden Aktien und langweiligen Anleihen suchen. Und Firmen wie Apax oder BC Partners, die große Fonds auflegen, in die mehrere Investoren ihr Geld einzahlen - das können amerikanische Pensionskassen sein oder auch reiche Familien. Private Equity nennt sich diese Form der Geldanlage: Beteiligung an nicht börsennotierten Unternehmen. So unterschiedlich dabei die Investoren sind, so sehr eint sie das Ziel, am Ende - beim Verkauf der Beteiligung - eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. 300 bis 400 Prozent sind keine Seltenheit. Kein Wunder, dass in Zeiten weltweit wackelnder Börsen die Zahl der potenziellen Käufer wächst und wächst.