Das Unternehmerehepaar Ehlerding hat der CDU Millionen gespendet, kurz vor der Bundestagswahl im September 1998. Wiederum kurz davor, im Juni 1998 hat die Bundesregierung der Firma der Ehlerdings einen Zuschlag erteilt – beim Verkauf von Eisenbahnerwohnungen, für die das Konsortium der Ehlerdings eine schlappe Milliarde Mark weniger geboten hatte. (Das Detail war in der ZEIT vom 23. März 2001 nachzulesen.)

Nun, vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss sagten die Ehlerdings, diese Spende habe nichts mit dem Zuschlag zu tun gehabt. Vor allem sei beim Zuschlag nichts von einer späteren Spende die Rede gewesen. Man hätte eben nur nicht untätig zusehen wollen, wie die CDU die Wahl zu verlieren droht. Und deshalb ein gutes Gewissen.

Aber was ist nun mit der Dankbarkeit? Die Ehlerdings sagen: Ein "Dankeschön!" sei die Spende nicht gewesen – die größte Einzelspende in der Geschichte der CDU immerhin. Also gibt es auch ein gutes Gewissen, zu dem die Undankbarkeit gewissermaßen konsitutiv dazugehört. Denn m i t Dankbarkeit könnten die Ehlerdings ja kein gutes Gewissen haben, denn dann hätte es sich ja um ein Zug-um-Zug-Geschäft gehandelt. Deshalb gehört es ja auch zur reinen Dankbarkeit, dass sie sozusagen nicht real wahrnehmbar ist und ohne jedes Zeichen auskommt, vor allem ohne Gabe und Gegengabe.

Genug der Philosophie! Nun zur Praxis: Warum hat die CDU die Spende nicht ordnungsgemäß verbucht? Weil man dann zu schnell auf den Gedanken kommen könnte, zwischen politisch erteiltem Zuschlag und erhaltener Spende bestehe eben dich ein Zusammenhang – und muss also die zunächst versuchte Geheimhaltung nicht geradezu als Beweis des Zusammenhangs gelesen werden. Darüber mögen sich andere den Kopf zerbrechen, auch über die Frage, welche große zeitliche Distanz zwischen einer politischen Entscheidung und einer Spende liegen muss, damit es nicht wie Bestechung, sondern nur wie (un-reine, s.o.) Dankbarkeit aussieht.

Gründliche Remedur gibt es eben nur, wenn politische Spenden von Firmen und Kapitalgesellschaften gänzlich verboten werden und wenn Spenden von Einzelpersonen der Höhe nach strikt beschränkt werden. Dann erst gäbe es eine Gewähr dafür, dass politische Entscheidungen nicht käuflich sind, weil es dann nämlich keinen legalen Weg für das "Dankeschön!" mehr gibt. Und noch ein Vorteil: Dann endlich gäbe es auch in der Politik die reine Dankbarkeit der Wähler und Begünstigten– und nicht nur die reine Undankbarkeit. Der Politiker…