Mehr oder weniger. Sein Vater und seine Mutter waren dorthin durchgebrannt. Der Vater verschwand kurz darauf. Die Mutter trank, brachte ihn bei einem Onkel in Missouri unter und zog weiter nach Los Angeles. Der Junge flog von der Schule, zog mit Straßengangs herum. Als er beim Klauen von Radkappen erwischt wurde, kam er ins Heim.

Jahrelang driftete er durch die Welt, als Arbeiter auf den Ölfeldern von Texas, als Aufpasser in Bordellen, als Vertreter und Holzfäller. Er landete schließlich, seiner Mutter folgend, in New York und nahm, weil er das noch nicht probiert hatte, Schauspielunterricht. 1955 war er neben Martin Landau der Einzige unter 2000 Bewerbern, die in Lee Strasbergs Schule aufgenommen wurden. Neile Adams, seine erste Frau, war ein Star am Broadway. Ihre Karriere opferte sie sanglos, während sie die seine förderte. Nicht nur sie verliebte sich in den Strahl seiner blauen Augen, sondern bald auch die Kameras, die Filmgewaltigen und ein Millionenpublikum. Ali McGrawl, seine spätere zweite Frau, spielte die weibliche Hauptrolle in Getaway. Sie lernte bei den Dreharbeiten nicht nur Schießen und Autofahren, sondern auch den Hauptdarsteller kennen - und verließ mit wehenden Fahnen ihren Gatten Robert Evans, den Chef von Paramount.

Wie Paul Newman, Dennis Hopper, James Dean, Marlon Brando - die anderen "Angry Young Men" dieser Zeit - musste Steve McQueen nichts Besonderes tun, um zu wirken. Es genügte der gerade, harte Blick, die regungslose Miene. McQueen war der "King of Cool": ein unberechenbarer Einzelkämpfer, der mit einem Zucken seiner Mundwinkel alles versprach, wonach sich das Publikum in den Sechzigern sehnte: Adrenalin, Sex, Rebellion. McQueen hatte nicht um das Leben gebeten, in das er gewor- fen wurde. Aber er war entschlossen, ihm alles abzutrotzen. Für seinen ersten Kinofilm, 1956, zahlte man ihm 19 Dollar pro Drehtag, für Flammendes Inferno " (1974) bekam er 14 Millionen.

Seinen Sohn bat er bereits als Teenager mit in den Whirl-Pool, in dem die Models saßen. Und dem Attentat der Manson Family auf Sharon Tate 1968 entging er nur, weil er sich auf dem Weg zu Polanskis Haus auf einen Quickie einließ. Fast könnte neben der Skandalfigur der Schauspieler ins Vergessen geraten. McQueens Minimalismus beeinflusste alle Actionhelden, die nach ihm kamen: Wie er in The Thomas Crown Affair mit Faye Dunaway Schach spielte, leicht bekleidet und ohne allzu viel zu tun; die einsame, störrische und zu allem entschlossene Haltung in The Great Escape (Deutsch: Gesprengte Ketten).

Der Großteil seiner 30 Filme sind Klassiker. So auch Bullit, dessen legendäre Amokfahrt ausgerechnet für eine Ford-Werbung recycelt wurde. McQueen hatte Autos dieser Marke oft mit besonderer Hingabe zerlegt. Dass er mit 50 an Lungenkrebs starb, erklären Biografen mit seiner hochoktanigen Lebensweise: Nicht Tabak und Pot waren der Grund, sagen sie, sondern der Asbest in seinen feuerfesten Overalls.

"Getaway" So 1.4. B1, 22.00 Uhr