Die Liberalisierung der Finanzmärkte ist kräftig vorangetrieben worden.

Gleichzeitig waren diese Märkte schon Schauplatz schwerer Krisen. Immer wieder werden deshalb Reformen angemahnt. In ihrem Buch Stabile Weltfinanzen?

Die Debatte um eine neue internationale Finanzarchitektur gehen Michael Frenkel und Lukas Menkhoff, Professoren für internationale Wirtschaftsbeziehungen in Koblenz und Aachen, den wichtigsten Vorschlägen nach.

Zwei Phänomene sind ihrer Meinung nach für die Fehlfunktionen des Marktes verantwortlich: noise trading und herding. Noise trading bezeichnet den Fall, dass sich Marktteilnehmer an Gerüchten orientieren, die mit der wirtschaftlichen Realität nichts zu tun haben. Beim Herding ("Herdenverhalten") geht es um Anleger, die ihre Entscheidungen am Verhalten der Konkurrenten ausrichten. Beides führt dazu, dass sich Anlageentscheidungen nicht mehr an ökonomischen Daten orientieren.

Welche Möglichkeiten gibt es, darauf zu reagieren? Zunächst machen die Autoren auf Zielkonflikte aufmerksam - und zitieren das impossible trinity-Theorem. Nach diesem Gesetz gibt es keine Währungsordnung, die gleichzeitig folgende drei Ziele erreichen kann: nationale geldpolitische Autonomie, freien Kapitalverkehr und stabile Wechselkurse. Im besten Fall können zwei davon verwirklicht werden. So kann eine Währungsordnung auf freien Kapitalverkehr und stabile Wechselkurse setzen, muss dann aber Abstriche bei der geldpolitischen Autonomie machen. Grund: Die Geldpolitik wird zur Stabilisierung der Wechselkurse benötigt.

Menkhoff und Frenkel unterscheiden zwischen mikro- und makroökonomischen Reformansätzen. Auf der Mikroebene mahnen sie vor allem eine bessere Bankenaufsicht an. Weil gerade marode Bankensysteme Währungskrisen auslösen können, sollten die Industrieländer hier Standards setzen: "Dies könnte auch auf andere Länder Druck ausüben, sich anzuschließen."

Im makroökonomischen Bereich lehnen die Autoren eine Einführung von Wechselkurszielen ab. Denn Zielzonen sind - siehe impossible trinity - nur durch Aufgabe geldpolitischer Autonomie möglich. Die aber halten Menkhoff und Frenkel für erhaltenswert. In Kapitalverkehrsbeschränkungen - zum Beispiel einer Tobin-Steuer auf Spekulationsgewinne - sehen die Autoren allenfalls eine theoretische Lösung: Die Steuer sei nur effektiv, wenn sich genug Staaten beteiligen, weil der Devisenhandel sonst einfach anderswohin abwandert. Auch Kapitalverkehrskontrollen für einzelne Länder beurteilen sie skeptisch. Solche Maßnahmen erhöhten die Risikoprämien an den Finanzmärkten und führten dazu, dass Machthaber sie missbrauchen, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Schlussfolgerung: "Für die wichtigsten Währungen besteht daher zum System flexibler Wechselkurse derzeit keine Alternative."