Endlich war es so weit. Die beiden konkurrierenden Kirchen - die katholische und die protestantische - hatten nach langen Verhandlungen eine wundersame Formulierung gefunden, die es ihnen erlaubt, friedlich nebeneinander zu leben: "Versöhnte Verschiedenheit"

doch diese Übereinstimmung wurde sofort wieder zerredet.

Zuerst von Kardinal Ratzinger, der als Chef der Glaubenskongregation verlangte, dass die von ihm formulierte, vom Papst ausdrücklich anerkannte Erklärung "Dominus Iesus" in aller Schärfe angewandt werde.

Diese Erklärung postuliert den Alleinvertretungsanspruch des Vatikan. Von einer gemeinsamen Abendmahlsfeier - und sie steht doch im Zentrum der Auseinandersetzung - kann also nicht mehr die Rede sein. Widerspruch wurde auch innerhalb der katholischen Kirche geäußert, beispielsweise von den Kardinälen Franz König und Karl Lehmann.

In der Welt war vorige Woche unter der Überschrift "Das Abendmahl als Happening" zu lesen, dass die Planer des Deutschen Evangelischen Kirchentages, der Mitte Juni in Frankfurt stattfinden wird, die Absicht haben, eine Neuerung einzuführen. Das seit 1979 Tradition gewordene "Feierabendmahl" soll als "Sättigungsmahl" mit Brot, Käse, Obst und Trauben zelebriert werden. Der "Traubensaft der Freude des Teilens und des Genießens" soll, so heißt es, im Mittelpunkt stehen.

Es ist kaum vorstellbar, dass diese Neuerung der Verwirklichung des anvisierten gemeinsamen Abendmahls dienlich sein wird.

Der Projektausschuss des Evangelischen Kirchentages hat ein Forum vorgesehen, auf dem das Abendmahl diskutiert wird und auch die Experimente mit dem Feierabendmahl: "Wir lassen die Vorstellung, Fleisch zu essen und Blut zu trinken, endgültig hinter uns. Der ursprüngliche Charakter des Mahls als eines Festes der Befreiung soll wieder hergestellt werden." Also nicht mehr Eucharistie, Danksagung, sondern reale Sinnesfreude. Da wird Realität zur Absurdität und Liberalität zur Libertinage.