Von der PDS haben kluge Leute einmal gesagt, sie sei weniger eine Partei als ein Milieu. Noch Klügere haben sie, schon in Erkenntnis der Milieuhaftigkeit, mit den Vertriebenenverbänden in der jungen Bundesrepublik verglichen. Und in der Tat leben die ostdeutschen Kommunisten ja wie Vertriebene im eigenen Land. Sie haben aber das Glück oder Unglück einer eigenen Partei, während sich die Ostflüchtlinge in der CSU nur wie in einem Wirtskörper einnisten konnten, den sie mit wechselndem Erfolg zu manipulieren versuchten

so wie manche Insekten ihre Eier in den Blättern von Pflanzen ablegen, die sie dadurch zu abnormen Wucherungen verleiten.

Im Falle der Grünen ist die Lage noch verzwickter, man könnte sagen: tragischer. Die Grünen sind ein Milieu, das sich zu einer Partei emanzipierte, die nun, da sie zu Regierungswürden aufgestiegen ist, das Milieu gern loswürde. Es geht aber nicht, denn die Wirtspflanze ist der Parasit selbst beziehungsweise umgekehrt. In der Sprache anderer Parteien anderer Länder könnte man auch sagen: Die Grünen haben ein Problem mit ihrem bewaffneten Arm. So ist es in Spanien mit der Eta und in Nordirland mit der IRA, die beide im spannungsvollen Miteinander eines parlamentarischen und eines militärischen Teils bestehen.

Der bewaffnete Arm der Grünen in Deutschland sind die "Autonomen", deren Name allerdings schon sagt, dass sie sich um die Partei einen Dreck scheren. Die Grünen sind aber ihrerseits nicht autonom von den Autonomen, denn beide rekrutieren sich aus denselben Reihen und treten auf denselben Feldern auf

die einen militärisch mit Wurfankern und Zwille, die anderen zivilistisch in Parlament und Talkshows. Bei Atomkraft und Gorleben konnte man sehen, wer seine Überzeugungen mit dem größerem Schneid vertritt.

Die Partei der Grünen, die sich um ihr verfassungstreues Ansehen sorgt, will von den Autonomen nicht ins Zwielicht gezogen werden

aber mit jeder Distanzierung beschädigt sie zugleich ihre Glaubwürdigkeit. Sie hat die politische Definitionsmacht nicht