die zeit: Herr Sonnleitner, wovor haben Sie momentan mehr Angst: vor der rot-grünen Agrarwende oder vor den Folgen von Rinderwahn sowie von Maul- und Klauenseuche?

Gerd Sonnleitner: Mit der akuten Bewältigung der BSE-Krise haben wir schon mehr Probleme. Und natürlich sind wir sehr besorgt und unruhig wegen der Maul- und Klauenseuche. Die Gefährdung ist extrem hoch. Die zukünftige Agrarpolitik ist demgegenüber ein längerfristiges Thema, das mit dem aktuellen Krisenmanagement nicht vermischt werden sollte.

zeit: Für die notgeschlachteten Tiere werden die Bauern doch entschädigt. Wo ist das Problem?

Sonnleitner: Vergessen Sie nicht, dass durch die Keulung ganzer Bestände sehr viel Zuchtarbeit verloren geht, eine Arbeit von Jahrzehnten. Wenn der gesamte Tierbestand getötet wird, hat der Bauer außerdem über längere Zeit keine Einnahmen. Die Folgekosten sind also immens. Noch schlimmer wird die Sache, weil von MKS ja immer gleich eine ganze Region befallen wird. Es werden dann Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete eingerichtet - und viele schmerzhafte Auflagen und Behinderungen verhängt: Schlachthöfe und Molkereien werden lahm gelegt, womöglich die ganze Wirtschaft mit zahlreichen Einschränkungen für die Bevölkerung. Deshalb übersteigen die MKS-Kosten in England - bis heute 30 Milliarden Mark - bei weitem den Wert der notgeschlachteten Tiere.

zeit: Fürchten Sie um die Existenz von Betrieben?

Sonnleitner: Wenn die Maul- und Klauenseuche uns wirklich erreicht, wäre dies eine wirtschaftliche Katastrophe.