Zwei Eilmeldungen sind es, die uns dieser Tage den Büroschlaf rauben. Aus der Bild-Zeitung erfahren wir, die Deutschen seien nicht nur stolz auf die Alpen und die Mercedes-S-Klasse, sondern auch auf Goethes Faust. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte lesen wir im Spiegel-Trendkulturteil, der ja dafür berühmt ist, dass er die schönsten Lach- und Sachgeschichten über andere Feuilletons enthält. Der deutsche Leser, so hat man herausgefunden, will gar nicht lesen, was der Spiegel ihm ohnehin vorenthält: Der Leser will keine "Besinnungsorgien". Er will keine "Bildungshuberei". Keine "schlauen Zitate". Stattdessen will der Leser lustige Kultur. Er will Pop der S-Klasse.

"Ich bin doch nicht blöd." Oder wie der Lateiner recht nett sagt: Stupido felix est.

Leider ist der lustige Kulturpop gerade mausetot und gibt seinerseits den Blick auf die Alpen frei, was aber im Spiegel zur Vermeidung von Bildungshuberei geheim gehalten wird. Als Erster hat das der sehr gebildete Harald Schmidt bemerkt und an Benjamin von Stuckrad-Barre weitergeflüstert, der den Werbevertrag mit dem Modehaus Peek aus Cloppenburg für die Unterwäsche Miasma hat, was ihm heute sehr leid tut, weil er doch wieder so sauber erzählen will wie weiland Opa Schewski, bevor Adorno ganz richtig das Licht der falschen Welt erblickte. Sogar Zlatko paukt voll konkret Englisch, um Shakespeares Gedichte im Original lesen zu dürfen. "Hinfort, du Mohr, nicht länger will ich ringen / Der Spiegel an der Wand / Möge er zerspringen!"

Wer den Faust nicht schafft, aber trotzdem stolz sein will, sollte sich geistig fit machen für die Sommerkulturzeit. Keine Bildungsbücher lesen, das schont den Vitamin B-Bedarf. Viel fernsehen (Stunde der Wahrheit, Sat.1).

Dicke Socken anziehen, warme Füße erleichtern das Einschlafen. Nach dem Aufwachen sofort die Vorhänge aufreißen. Alpenlicht unterdrückt die Produktion des Schlafhormons Melatonin. Ein Nachrichtenmagazin lesen und die geistig entmilitarisierte Zone aufschlagen. "Bobos: Die neue Kultur-Elite.

Sie waren Rebellen und sind Lebenskünstler." Trotzdem: Auf Büroschlaf verzichten!