Ein Blick reicht aus. Ein Blick auf den abgewetzten Koffer. Und schon sind die Erinnerungen da. Die Erinnerungen sind das Fortbewegungsmittel des müden Weltwanderers. Für Sekunden tragen sie ihn zurück zu den Tuaregs, zu den Chan-Indianern und den indischen Yogis. Sie bringen ihn auf das Dach des Capitol-Theaters in Singapur und in die Dschungel der Elfenbeinküste. Im Kopf, sagt der alte Mann, bin ich noch immer unterwegs, nur mein Fahrgestell macht nicht mehr mit. Und dann sagt er: Wer nie geht, kehrt nie heim.

Die Kollegin hatte ein Bild von ihm gesehen und gesagt: Sieht aus wie Hoss Cartwright. Was nicht ganz falsch ist. Der alte Mann sitzt auf einem Rattanhocker, trägt schwarze Stiefel, eine Cordhose und eine warme Weste, wie sie zuweilen auch die panflötenden Andenvölker in deutschen Fußgängerzonen tragen. Sein Haar ist schlohweiß und auch sein Bart. Er mag es nicht, wenn man ihn mit Heinz Schulz anspricht. Was soll man sagen? Herr Schulz? Herr Rox-Schulz? Mister Rox, wie es auf seinen Büchern steht? Oder einfach nur Rox? Die drei Buchstaben hat er sich als Künstlernamen verpasst, damals in englischer Gefangenschaft während des Zweiten Weltkrieges, als er auf einer Keksdose den Namen Xox entdeckte. Wenn ein Plätzchen Xox heißen darf, darf ein Künstler Rox heißen. Also sagen wir Herr Rox!

Die Geschichte vom Abenteuermuseum in Saarbrücken ist die Geschichte von Herrn Rox, eines Mannes, der nie sesshaft werden wollte und so ziemlich die ganze Welt gesehen hat. Denn alles, was hier in Vitrinen hängt und steht und liegt und einstaubt, hat Herr Rox von seinen Touren mitgebracht. Sein artistisches Talent füllte die Reisekasse: Sein Markenzeichen war der Handstand. Natürlich kein gewöhnlicher. Herr Rox setzte zwei Flaschen aufeinander und stellte sich mit einer Hand darauf. Das machte er im Gordon Cabaret in Khartum, in Delhi und in den Hill Stations der indischen und britischen Schickeria im Schatten des Himalaya. Später trainierte ich die Leibgarde des Rajahs von Lucknow, sagt Herr Rox, und wenn er einen solchen Satz sagt, sprechen seine Augen weiter. Seine Augen sagen: Ich habe sie alle beeindruckt.

Herr Rox hat gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert. Geboren wurde er am 21.

März 1921 in Königsberg, und schon als Kind war er ein Sportass. Nachdem er sich in den fünfziger Jahren eine gebrauchte Bolex kaufte und seine Reiseabenteuer auf 16-Millimeter-Streifen konservierte, wurde aus dem Kunstturner und Artisten ein Kameramann. Er arbeitete für den Saarländischen Rundfunk und die ARD. Sein erster Kinofilm Indische Rhapsodie wurde 1955 im Marmorpalast in Berlin uraufgeführt. Die alte Bolex steht im Abenteuermuseum, umgeben von den Fundstücken. Und das sind nicht wenige. Die Welt auf 100 Quadratmetern. Vier Zimmer, rappelvoll, geordnet nach Kontinenten. Zum Beispiel Afrika. Eine Kindermumie im Olivenholzsarg, daneben ein kopulierendes Paar, in Bronze gegossen, rechts eine Art Ufo: ein Gefäß wie zwei aufeinander liegende Halbschalen, terrakottafarben, Löcher, so klein wie Stecknadelköpfe. Was mag das sein?

Im Niger werden damit die Seelen von Verstorbenen aufgenommen, sagt Herr Rox. Es ist Teil des Ahnenkultes.

Wie viel haben Sie für all diese Mitbringsel gezahlt?, frage ich.