Ron Sommer tritt zurück. Wann tritt Ron Sommer zurück? Die Politik lässt Ron Sommer fallen. Der Aufsichtsrat sucht schon den Nachfolger. So oder ähnlich tönte es wochenlang, gelegentlich im Tagesrhythmus, auf allen Kanälen, so steht es geschrieben, so wird diskutiert. Das Dumme ist allein: Ron Sommer, Chef der Deutschen Telekom, ist nach wie vor - der Chef der Deutschen Telekom. Das Geschrei ändert (noch?) nichts daran. Und die Folgenlosigkeit ändert nichts am Geschrei.

Ron Sommer unter Beschuss: Hat er je daran gedacht zurückzutreten? Nein, das hat er nicht. "Die maßgeblichen Leute haben sich alle hinter mich gestellt - der Aufsichtsrat, der Bundeskanzler, der Finanzminister." Außerdem: "Nicht ganz unwesentlich ist ja auch meine eigene Meinung." Warum dann das Theater?

Das sind "Märchenstorys von Leuten, die vielleicht einen Grund haben, so etwas zu verbreiten". Welchen? "Es gibt Leute, die sich einen Wettbewerb auf den Trümmern der Telekom vorstellen." Und: "Dass ein so gewaltiges Unternehmen nicht nur Freunde hat, ist doch klar."

Der Mann hat auf alles eine Antwort. Doch die Antworten kommen zu schnell.

Das mag daran liegen, dass die Fragen zu simpel sind, zu leicht vorhersehbar.

Mag aber auch sein, dass die Reflexe übermächtig sind. Reflexe, die ihm zu Eigen wurden nach mancherlei Verletzungen - er ist ja nicht dumm, weiß sich zu schützen. Und die Antworten sind nicht falsch. Nur, sie bewegen sich auf der falschen Ebene. Sie sind rational (geben das jedenfalls vor). Das Niveau aber, auf dem die Fragen gewachsen sind, reflektiert Emotionen, Affekte.

Warum provoziert Ron Sommer? Warum bringt ein so rationaler Mann ein solches Maß an Ablehnung hervor? Der matte Gang der Geschäfte allein kann die Erklärung nicht liefern.