Dieses "Finis" ist meiner Meinung nach sachlich falsch und inhaltlich eine Zumutung. Nach meiner Erfahrung liegt die Motivation für Begriffe wie differently abled keinesfalls in der Furcht vor klaren Worten. Vielmehr drücken sie den Wunsch aus, wegzukommen von der Betrachtungsweise, Behinderten fehle etwas, und hin zu einem: Behinderte sind anders, im Sinne einer Gleichwertigkeit.

Wozu, um Himmels willen, ist ein Blinder beispielsweise anders begabt als ein anderer Mensch? Für den Autor/die Autorin offensichtlich völlig unvorstellbar. Tatsächlich bilden Menschen, die einen Sinn verlieren, etwa das Augenlicht, erwiesenermaßen die anderen Sinne wie das Gehör und den Tastsinn deutlich feiner aus als gesunde Menschen. Versuchen Sie mal, Blindenschrift zu entziffern! Ich möchte dem Autor/der Autorin außerdem vorschlagen, sich einmal selbst in einen Rollstuhl zu setzen. Er/sie wird schnell feststellen, wie viel Geschicklichkeit es erfordert, über schrägen Asphalt, Bordsteinkanten et cetera zu rangieren. Die Assoziation mit einem Rollstuhlfahrer, der "normalbegabten Fußgängern die Zehen plattfährt", erscheint mir überaus absurd. Behinderte aber in einen inhaltlichen Zusammenhang mit Kriminellen (Kinderschändern!) zu bringen, halte ich schlichtweg für eine Entgleisung.

Dieser Artikel zeigt eine große Unwissenheit über Behinderung und das Leben mit einer solchen, wenn nicht gar eine diffuse Angst hiervor. In diesem Sinne ist dieser Artikel für mich tatsächlich das Letzte.

Agnes Iding, Neuß