China wird für die Manager von Investmentfonds immer interessanter. Im Durchschnitt haben sie den Anteil chinesischer Aktien in ihren Fonds für Emerging Markets - also Länder auf der Schwelle vom Entwicklungsland zur Industrienation - von Januar bis Februar um knapp ein Fünftel erhöht. Das hat eine Umfrage unter mehreren internationalen Investmentgesellschaften ergeben, die das Forschungsinstitut Südprojekt im Auftrag der ZEIT durchgeführt hat.

"China ist die Wachstumslokomotive Asiens", sagt Thomas Gerhardt von der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Er betreut den Aktienfonds DWS Emerging Market. Gerhardt rechnet mit einer stetig wachsenden Binnennachfrage im bevölkerungsreichsten Land der Erde, welche die Wirtschaft ankurbeln könnte. Für eine Geldanlage in China spricht seiner Ansicht nach ebenso, dass gegenwärtig große ehemalige Staatsbetriebe privatisiert werden - vor allem in den Bereichen Öl und Telekommunikation. Bei allen untersuchten Investmentfonds waren Anteile des Mobilfunkanbieters China Mobile die am meisten gekauften Aktien.

Der gesamte asiatische Raum bleibt die bevorzugte Gegend für Investitionen der Emerging-Market-Fonds. Nach wie vor sind mehr als 40 Prozent des Fondsvermögens dort angelegt. Neben chinesischen Aktien kaufen die Fonds vor allem Wertpapiere aus Taiwan, Korea und Indien. Die schlechte Situation der japanischen Wirtschaft wird nach Ansicht der Fondsmanager auf die Wirtschaftskraft dieser Schwellenländer nicht zwingend durchschlagen. "Asien hängt nicht nur von einer Nation ab", sagt Mark Mobius, in Singapur-Manager des Franklin Templeton Emerging-Market-Fund. "Gerade China exportiert sehr viel nach Europa und in die Vereinigten Staaten, ist also nicht besonders abhängig von Japan." Mobius hält China inzwischen für das bedeutendste Land in Asien, "ökomonisch und politisch".

Im besten Fall könnten die asiatischen Schwellenländer von der japanischen Konjunkturkrise sogar profitieren, vermutet Thomas Gerhardt von der DWS. "Die schlechte Verfassung der Wirtschaft führt dazu, dass japanische Unternehmen ihre Produktion umstellen und zunehmend in andere südostasiatische Länder verlagern", sagt der Investmentprofi. Ein großer Teil des Geldes, mit dem die Fonds in den vergangenen Monaten in Asien eingestiegen sind, war zuvor in Ost- und Südosteuropa angelegt. Rund elf Prozent des dort investierten Vermögens haben die befragten Gesellschaften zwischen Januar und Februar abgezogen. Dies sei allerdings ein einmaliger Effekt und "kein Trend", sagt Mark Mobius.

Er hat beobachtet, dass die Manager das Geld vor allem aus der Türkei abgezogen haben - wegen der dramatischen Entwicklung der dortigen Wirtschaftslage. Ende Februar stürzte die türkische Lira gegenüber dem Dollar um etwa die Hälfte ab. Der örtliche Aktienmarkt liegt immer noch am Boden, und nach Analysen der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch werden Inflationsrate und Verschuldungsgrad weiter wachsen.

Die meisten befragten Schwellenländerfonds haben es nach eigenen Angaben geschafft, rechtzeitig vor dem Crash ihren Anteil an türkischen Aktien ganz oder teilweise zu verkaufen. Nichts spricht dafür, dass ihr Geld in nächster Zeit in die Türkei zurückfindet.