Bedeutet das Wiener Debakel Jörg Haiders den Anfang vom Ende des Albtraums, der sich in Europa seit mehr als einem Jahr mit seinem Namen verbindet? Knapp 8 Prozentpunkte Verlust für die FPÖ, das ist dieses Mal - trotz der immer noch verbliebenen 20,1 Prozent Stimmanteile - mehr als eine Abstrafung der Rechtspartei für die "sozialen Grausamkeiten", für die sie als Koalitionspartner der österreichischen Regierung Mitverantwortung trägt. Mit diesem Argument konnte der Kärntner Landeschef und inoffizielle Parteiführer sich bisher über Rückschläge (Steiermark, Burgenland) hinwegtrösten. In Wien aber hatte er sich selbst wie ein Spitzenkandidat in den Wahlkampf geworfen, mit eigenen Plakaten und mit weltweit registrierten antisemitischen Sprüchen.

Dieser neue Tabubruch schien Haiders Trumpf. Alles hat er darauf gesetzt.

Doch entgegen vielen bangen Erwartungen ist er damit gescheitert. Es ist, als sei der Trotz, den im Vorjahr die EU-Sanktionen gegen die Regierung im Volk ausgelöst hatten, endlich in Überdruss über Haiders notorische Provokationspolitik umgeschlagen: Jetzt reicht's, sagt die Mehrheit. Abfuhr für die FPÖ, Absage für Schüssels ÖVP (das Schweigen des Kanzlers zu Haider wurde gerade in Wiens liberal-bürgerlichem Milieu kritisiert), Votum für Rot-Grün - freilich überdeckt von der eher zufälligen absoluten Mandatsmehrheit für die SPÖ: Die Demokratie hat sich als Korrektiv wieder ein klein wenig bewährt. wap