Rundherum ist noch Baustelle: Matsch, Müll und Maschendrahtzaun im Kölner Mediapark. Mittendrin die neue Schule für TV und Multimedia von RTL. Hier sieht es schon so aus wie in fast allen Fernsehredaktionen der Republik: Die bevorzugte Haarfarbe der Damen ist blond.

Dabei wird an der RTL-Schule, glaubt man dem größten deutschen Privatsender, seit einigen Wochen die Medienausbildung ganz neu erfunden. Jeder Fernsehbeitrag, verkündet etwa Referent Jörg Harzen, im Hauptberuf Redaktionsleiter der hauseigenen News am Morgen, müsse "mit einem krassen Boah-ey-Bild" anfangen. Seine Botschaft: Fernsehen ist das Medium der Großaufnahme. Und Pflichtbestandteil eines jeden RTL-Stücks ist eines der drei großen T: Tiere, Tote, Titten.

Seit Januar bildet RTL mit solchen Weisheiten 15 junge Erwachsene zu Fernsehjournalisten aus

im April startet der zweite Lehrgang mit noch einmal 15 Nachwuchs-TV-Reportern zwischen 23 und 30 Jahren. Zwei Millionen Mark im Jahr kostet die Schule, das sind 800 000 Mark mehr, als RTL bisher für die Ausbildung seiner Volontäre ausgegeben hat. Aber bisher wurden auch nur alle zwei Jahre 15 Volontäre eingestellt, jetzt sind es doppelt so viele Schüler.

Der Wer wird Millionär?-Kanal kann sich diesen Luxus leisten, denn einen erheblichen Teil der Kosten trägt der Steuer- und Gebührenzahler. Mit 150 000 Mark im Jahr fördert das Land Nordrhein-Westfalen den Nachwuchs des reichsten deutschen Privatsenders, jeweils noch einmal so viel kommt von der staatlichen Landesanstalt für Rundfunk (LfR) in NRW, von der Stadtsparkasse Köln und vom RTL-Mutterhaus Bertelsmann. Also ein gutes Geschäft für RTL, zumal die Schüler nur rund die Hälfte des offiziellen Volontärtarifs verdienen. Dafür bekommen sie immerhin die Getränke gratis.

Den Deutschen Journalistenverband (DJV) konnte das nicht beruhigen: Er protestierte gegen die vermeintliche Bevorzugung des Privatsenders. Denn während die LfR, so deren Direktor Norbert Schneider, ausgerechnet Mittel aus der (öffentlich-rechtlichen) Rundfunkgebühr in die Privatschule investiere, leidet die Journalistenausbildung an den Universitäten in NRW seit Jahren unter chronischer Geldknappheit. Den hochschulgeförderten Lehrredaktionen etwa gab man den Rat, sich doch nach privaten Sponsoren umzusehen.

RTL dürfte dafür kaum infrage kommen. Denn dort will man von der traditionellen Journalistenausbildung nicht viel wissen und den Schülern vor allem eines beibringen: Konsumentenorientierung. Abstand vom "öffentlichrechtlichen Moralbegriff" predigte RTL-Informationsdirektor Hans Mahr zur Schulgründung. Auch für die Ausbildung der Verlage hat Mahr nicht viel übrig: Bisher, so klagte er, hätte der Sender mit den Absolventen der renommierten Journalistenschulen in München und Hamburg etliche Probleme gehabt. Mühsam habe man den Neulingen beibringen müssen, "dass sie ausschließlich dem Konsumenten verpflichtet sind". Sprich: der Quote.