Früher schien das Glück so gut wie unerreichbar: Überall ist es besser, wo wir nicht sind hieß der erste Spielfilm von Michael Klier. Zwei Jahre später, 1991, folgte Ostkreuz. Beide Filme handelten von der schwierigen Ankunft im Westen, waren kunstvoll spröde Stillleben über abgeschabte Träume, vor allem an den grauen Rändern Berlins gedreht, nur mit Spurenelementen von Hoffnung versetzt. Seitdem sind zehn Jahre vergangen. In der langen Zwischenzeit konnte Klier nur eine 60-minütige Dokumentation realisieren. Andere Projekte haben sich zerschlagen oder wurden verschoben. Jetzt kommt Heidi M. ins Kino, endlich der dritte Spielfilm. Darin erkennt man vieles von früher wieder, den Berliner Osten, eine Hauptfigur, die unfroh im eigenen Leben steht, den ausdauernden Blick auf Umbruchdeutschland. Heidi M. (Katrin Saß) betreibt im noch immer renovierungsbedürftigen Teil von Berlin-Mitte einen Spätkaufladen, trauert ihrem Gatten nach, der sie nach 19 Jahren Ehe für eine Jüngere verlassen hat, und misstraut dem jüngeren Wessi (Dominique Horwitz), der jetzt energisch um sie wirbt. Sie treibt aufs erste Welken zu, dabei sollte sie sich besser für eine zweite Blüte entscheiden. Dafür braucht sie einen kleinen Film lang Zeit. Das Leben scheint handhabbarer geworden zu sein für Michael Klier. Früher lag die Tristesse wie ein Nebel über der Stadt, jetzt scheint sie eher eine Phase, die sich überwinden lässt. Je aktiver die Menschen allerdings um ihr Seelenheil ringen, desto mehr Aufmerksamkeit müssen ihnen Regie und Drehbuch widmen. Da kommen Klier und seine Autorin Karin ström nicht hinterher. Die Scharniere der Geschichte quietschen, die Inszenierung verstolpert sich ein wenig zwischen Distanz und Draufzu. Auf dem Weg in die Besserung tritt Klier noch unsicher auf. Wir hoffen auf den nächsten festen Schritt.