die zeit: Im britischen Städtchen Queniborough sind ungewöhnlich viele Menschen an der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, vCJK, erkrankt. Inzwischen liegt eine offizielle Analyse vor. Was ist dort geschehen?

Walter Schulz-Schaeffer: Das Problem waren offensichtlich die Arbeitsmethoden eines kleinen Metzgers. Der Schlachter hat offenbar Schädel und Wirbelsäule geöffnet und das Nervengewebe genutzt, sodass Fleischwaren kontaminiert worden sind. Zudem wurden große Bullen, die drohten, renitent zu werden, mit einem Bolzenschussgerät niedergestreckt - dadurch verteilte sich infektiöses Hirngewebe auf das Muskelfleisch. Das passiert auf den Schlachthöfen auch heute leider noch.

zeit: Was bringt der Queniborough-Bericht aus wissenschaftlicher Sicht?

Schulz-Schaeffer: Dass keine weiteren, bislang unbemerkten Ursachen der Übertragung des BSE-Erregers zu finden waren. Kein Medikament hat es ausgelöst oder irgendein medizinischer Eingriff. Wenn Fleischprodukte mit Risikomaterial in Berührung gekommen sind, dann geht offenbar auch vom Fleisch selber, das wir ja sonst als unbedenklich betrachten, ein Risiko aus.

zeit: Warum haben sich dann nur fünf Menschen in dem Örtchen infiziert?

Schulz-Schaeffer: Man muss eher fragen: Warum waren es überhaupt fünf? Fünf, das ist bei einer Gesamtzahl von 94 vCJK-Fällen in England eine immens hohe Zahl - und das bei einer Gemeindegröße von zweieinhalbtausend Einwohnern. Es wäre erschreckend, wenn sich nur aufgrund dieser unsauberen Zerlegungspraktiken eine so hohe Zahl von Übertragungen des BSE-Erregers auf den Menschen ergibt.

zeit: Vielleicht bestanden in Queniborough nur besonders üble Zustände?