Das verflixte Telefon. Ausgerechnet jetzt, da der Besucher zum Hörer greift, ist die Leitung tot. Warum, weshalb? - Der junge Mann in der Zentrale von RWE Plus zuckt mit den Schultern: Ob es am Apparat liegen könnte?

Telefone hat RWE in Essen freilich genug, nur kein weiteres mit solchem Anschluss: Sein Kabel führt nicht zur Telefonbuchse, sondern mündet in eine Steckdose. Dazwischen steckt ein Modem der Schweizer Firma Ascom, welches über das Stromnetz gesandte Datenpakete entschlüsselt und in Internet-Seiten oder Sprache verwandelt.

Mehrere Anbieter haben inzwischen bewiesen, dass Datenübertragung via Stromleitung funktioniert. Internet-Testkunden loben die hohe Übertragungsgeschwindigkeit der so genannten Powerline-Communication (PLC).

Der Kreis der Kritiker, insbesondere Amateurfunker und Funkdienste, die eine Störung ihrer Frequenzen befürchten, schwindet. Unklar bleibt vorerst, ob sich die neue Technik rechnet. Und: Mit dem Telefonieren hapert es noch.

RWE ist nicht der einzige Energieversorger, der mit dem Internet per Steckdose Ernst machen will. Die Mannheimer MVV AG hat eigens die Firma Power Plus Communications gegründet, um PLC in Deutschland zu vermarkten. Die Modems bezieht sie von der israelischen Firma Mainnet.

Elektrische Störungen können den Datenfluss beeinträchtigen

Die Bundesrepublik ist ein besonders interessanter Markt für die neue Technik, weil hier die Liberalisierung des Strommarktes vorangeschritten ist wie nirgendwo sonst in Europa. Die ehemaligen Monopolisten müssen angesichts des Wettbewerbs darüber nachdenken, wie sie ihre Kunden vom Wechsel zu anderen Anbietern abhalten können - und da könnte ein schneller und günstiger Internet-Zugang über das Stromnetz ein gutes Argument sein.