L'inverno è passato, jubiliert ein italienisches Volksliedchen: Der Winter ist vorüber - mittlerweile sowohl astronomisch als auch meteorologisch, schlussverkaufstechnisch erst recht -, ein Inferno aber lässt er zurück. Ein einwandfrei scheußliches, dennoch ist es angeblich essbar. Behaupten zumindest die Damen und Herren Lebensmittelhändler. Aus niederen Geldbeweggründen forcieren sie allmählich die totale Verwinterung unseres Daseins. Noch immer, obwohl die Uhren längst Sommerzeit zeigen, bieten sie in ihren Regalen bizarre Abspeisungsprodukte feil, zu Kalorien mutierte Frost- und Winterschäden: tückisch fermentierte Teebeutel mit Winterzauber-Aroma, wässrige Winter-Milch mit chemischem Karamel- oder Honiggeschmack, Winter-Quark mit der tödlichen Aromamischung Orange/Marzipan, klebriger Winter-Streichkäse Marke Apfel und Zimt, Schokolade mit nicht minder zimtkontaminierter Apfelstrudel-Füllung. Und zum Nachspülen offeriert eine gefürchtete Likörraffinerie aus dem Emsland, als wenn ihre saisonbereinigte Plörre nicht schon grotesk genug wäre, sage und schreibe: Winter-Apfelkorn.

Wer soll das verzehren? Wir? Die wir doch seit Jahren verzweifelt auf Winter-Zigaretten mit Apfel-Zimt-Aroma warten? Auf Winter-Zahncreme aus Marzipan, auf Winter-Champagner mit Glühweinaroma und Winter-Wiener-Schnitzel aus heißverklebten Apfelstrudelresten?

Lange warten wir aber nicht mehr. Die Food-Designer sollten sich sputen. Ende August beginnt die Weihnachtssaison.