Mein Unternehmen hat sich, als im vergangenen Jahr der Aufruf an "die Wirtschaft" erging, in die neuen Fonds zur Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter einzuzahlen, sofort daran beteiligt.

Das unter der klugen Leitung von Graf Lambsdorff erreichte Verhandlungsergebnis ist ein typischer Kompromiss, dem die Vertragspartner zugestimmt haben und der nun auch zu erfüllen ist. Wenn dessen Ergebnis jetzt von einer als sehr eigenwillig geltenden amerikanischen Richterin in Frage gestellt wird, ist es die Aufgabe beider Vertragspartner, sich um die weitestmögliche Vertragserfüllung zu bemühen. Dieses ist heute nicht mehr eine Frage der Moral, sondern der Vertragstreue.

Wenn es der Richterin um eine schnelle Vertragserfüllung gegangen wäre, hätte sie leicht die Klage mit der Bedingung, dass der Vertrag vollständig zu erfüllen sei, also das Geld in voller Höhe einzuzahlen sei, zurückweisen können. Das hat sie aber eben nicht getan! Ein Motiv könnte Eigenwilligkeit sein. Ein anderes aber auch, aus dem Vertrag noch mehr herauszuholen, als im letzten Jahr vereinbart. Das ist aber sicher keine Frage der Moral mehr, und es ist wirklich unfair, die Stiftung und die dahinterstehenden Unternehmen jetzt an den Pranger zu stellen.

Peter Kayser, Sereetz

"Bemühe mich um Rechtsfrieden, erwarte Milliarden" könnte man als Paraphrase auf Michael Naumanns "Biete Milliarden, suche Rechtsfrieden" die Haltung der US-Regierung im Berliner Abkommen vom 17. Juli 2000 umschreiben. "Verzichte auf weitere Ansprüche im Gegenzug für Milliarden" könnte man die Haltung der beteiligten Opferverbände umschreiben. Alle diese Wortspiele enthielten einen wahren Kern, der aus dem Blickwinkel der verschiedenen Interessen der Beteiligten jenen am 17. Juli 2000 manifestierten Konsens umschreibt, dass eine Zahlung nur im Rahmen eines give and take zustande kommen würde. Mit Realpolitik hatte dieser Konsens mehr zu tun als mit Moral, denn ein "do ut des" ist moralisch fast immer verwerflich.

Keiner der an den Verhandlungen Beteiligten glaubte im Ernst, dass deutsche Firmen 55 Jahre nach Kriegsende allein aus moralischen Gründen zahlen würden - übrigens nicht unbedingt deshalb, weil deutsche Firmen von heute gewissenloser wären als die anderer Nationen, sondern vielmehr, weil kommerzielle Organisationen in aller Welt bekanntermaßen selten aus nichtwirtschaftlichen Erwägungen Geld lockermachen.

Ebenso wenig hat die jüngere Zahlungsbereitschaft der Bundesrepublik, deren Instanzen bis 1999 solche Ansinnen mit Verweis auf den Umfang bereits geleisteter Restitutionen standhaft abwiesen, unbedingt mit Moral zu tun.