Die gute Nachricht ist: Die zweite und dritte Generation türkischer Einwandererkinder schüttelt ihr Gastarbeiterimage ab. Immer mehr junge Türken streben ehrgeizig eine (akademische) Karriere an. Die Zahl der türkischen Studenten hat sich von 1980 bis 2000 vervierfacht - 23 000 sind mittlerweile an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Die bevorzugten Fächer sind Jura, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Aber auch in der IT-Branche und in medizinischen Berufen sind zunehmend Einwandererkinder vertreten.

Die schlechte Nachricht ist: Noch immer haben die Migrantenkinder schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie arbeitslos werden, ist doppelt so groß wie bei ihren deutschen Altersgenossen. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote unter Türken laut der Bundesanstalt für Arbeit bei 21 Prozent.

Besonders schwierig ist für sie der Berufseinstieg in den gehobeneren öffentlichen Dienst, und schaffen sie ihn doch, sind sie häufig Vorurteilen ausgesetzt. Lediglich im Polizeidienst werden in einigen Bundesländern inzwischen auch ausländische Staatsbürger verbeamtet. So gibt es nach Angaben des Essener Instituts für Türkeistudien inzwischen etwa 70 deutsch-türkische Polizisten. In deutschen Stadtverwaltungen seien nicht einmal 100 türkischstämmige Angestellte und Beamte beschäftigt, schätzt Faruk Sen, Leiter des Forschungsinstituts. Gerade mal zwei seien in der Landesverwaltung in Nordrhein-Westfalen tätig, fünf weitere in Berlin. In den anderen Bundesländern sind Sen keine türkischstämmigen Staatsbediensteten bekannt.

"Der Staatsapparat ist weitaus konservativer als die private Wirtschaft", bedauert Faruk Sen.

Je höher die Karrierestufe ist, umso seltener sind die Beamten türkischer Herkunft. Nevin Bekis gehört zu den Ausnahmen. Die 37-Jährige ist Richterin im Oberlandesgericht in Brandenburg. Als Kind einer Gastarbeiterfamilie kam sie mit fünf Jahren nach Deutschland. Diskriminierungen hat sie auf ihrem Weg nach oben nicht erlebt. "Vielleicht habe ich einfach Glück gehabt", sagt sie.

An der Uni vermittelte ihr ein Professor, der sich für türkisches Privatrecht interessierte, eine studentische Hilfsstelle, damit sie ihm bei Recherchen und Gutachten half. Als Richterin hat sie inzwischen einen Status erlangt, der sie vor Diskriminierung schützt: "Weder andere Richter noch Anwälte kommen überhaupt auf die Idee, dass eine Ausländerin als Richterin arbeitet.

Die gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass ich Deutsche bin, und sind überrascht, wenn ich erzähle, dass ich aus der Türkei stamme." Dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen musste, machte ihr nichts aus: "Irgendwann muss man sich entscheiden, wohin man gehört."