Wenn es draußen endlich heller und milder wird, die innere Uhr auf beschleunigten Stoffwechsel umschaltet und die Seele auf Heiterkeit, ausgerechnet dann geht es wieder los: das große Gähnen. Kaum aufgestanden, ist man schon ermattet, schlurft halbgar durch den Tag und muss dabei immerzu an die Lokomotive 1414 von der Kinderschallplatte zurückdenken, wie sie am Berg vor Anstrengung schnaufte: Ich bin so müd, ich kann nicht mehr ...

Da hilft nur eines, mindestens einmal am Tag: einfach fallen lassen. Irgendwo hinsetzen oder -legen, Beine hoch, Gürtel auf, Augen zu. Eventuell, wie es der amerikanische Hochschullehrer und Experte in der angewandten Kunst des Nickerchens Joseph Epstein praktiziert, noch im Hinübergleiten das Mantra denken: Für die nächsten dreißig Minuten bin ich Geschichte. Und dann wohlig wegdämmern - in einen ausgedehnten, süßen Schlummer zwischendurch.

Welche Entspannung, welcher Genuss!

Oder doch eher: welch peinliche Schwächelei? Typisch für unsere ebenso protestantisch geprägte wie zunehmend hektische Kultur ist, dass man für solche Minuten seligen Nirwanas zur helllichten Halbzeit überhaupt eine Entschuldigung wie die Frühjahrsmüdigkeit braucht. Oder besser noch eine wissenschaftliche Bestätigung, dass selbst das Nichtstun noch produktiv sei: Amerikanische Forscher haben festgestellt ...

Also bitte: Amerikanische Schlafforscher haben festgestellt, dass eine circa 20-minütige Schlafpause die Arbeitsmotivation erhöht und Fehler verhindert.

Dem entsprechen Studienergebnisse deutscher Kollegen: Leistungsfähigkeit und Körpertemperatur sinken um die Mittagszeit, während Unfälle zunehmen und damit Kosten. Männer und Frauen halten gleich häufig Siesta - auch wenn Letztere dabei irgendwo diskret verschwinden, während Erstere sich überall hinzufläzen trauen.

Der Mensch, schreibt, schon weniger effizienzorientiert, Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum in Regensburg, sei nun mal wie alle Lebewesen eingebunden in die belebte Natur und somit den periodischen Veränderungen vor allem durch den Tag-Nacht-Wechsel ausgesetzt. Dass das Bedürfnis nach einer zweiten Schlafphase solchen biologischen Rhythmen ganz natürlich entspringe, zeige sich deutlich: Etwa die Hälfte der Kinder und der Älteren mache mittags Pause, aber nur rund 12 bis 19 Prozent der Berufstätigen - durch die Anforderungen der Arbeitswelt ist dieser Drang wegrationalisiert oder wird unterdrückt. Kein Wunder, dass jeder Dritte vom erholsamen, aber diskriminierten Kurzschlaf im Job ebenso sehnsüchtig wie vergeblich träumt - das haben deutsche Demoskopen festgestellt.