Fünfzehn Wahlniederlagen in Folge für die Grünen - das ist schon eine ziemlich niederschmetternde Serie. Und Nummer 16 und 17 sind bereits absehbar: In Sachsen-Anhalt, wo die Partei vor langer Zeit einmal mitregierte, ist sie weitgehend in Vergessenheit geraten und ohne jede Aussicht auf einen Wiedereinzug ins Parlament.

In Hamburg, wo sie derzeit noch als Grün-Alternative Liste mitregiert, glaubt niemand daran, bei den Wahlen im Herbst den Erfolg vom letzten Mal auch nur annähernd wiederholen zu können. Damals feierte die Partei in der Hansestadt das beste Ergebnis, das sie je bei einer Landtagswahl erzielt hatte.

Das waren noch Zeiten, als die Grünen Mitte der neunziger Jahre in den Metropolen, in Stuttgart, Frankfurt oder Hamburg, weit über ihre klassische Klientel hinaus Zustimmung bei den Wählern fanden. Dem bedrohlichen Umfeld der Fünf-Prozent-Marke schien die Partei für immer entrückt, zweistellige Wahlergebnisse versprachen ihr den Status einer unangefochtenen dritten Kraft.

Davon ist nichts geblieben, die Höhenflüge von gestern werden nun zu Ausnahmen erklärt. So lassen sich wenigstens die Niederlagen von heute ein bisschen relativieren: Die triste Gegenwart wird zur grünen Normalität.

Doch das eigentlich Deprimierende, das den Grünen am vergangenen Wochenende widerfuhr, waren nicht die weiteren Niederlagen, sondern der erfolglose Versuch, diese fatale Serie endlich zu brechen. Bei den vorhergehenden Wahlen lagen die Gründe für den Niedergang scheinbar auf der Hand: die Demutsrolle in der Berliner Koalition, der Mangel an zündenden Themen und eine unprofessionelle Parteiführung ohne jede Autorität nach innen wie nach außen.

Doch genau hier haben sich die Grünen in den vergangenen Monaten einem sichtbaren und erfolgreichen Erneuerungsprogramm unterzogen: Zum ersten Mal in der Geschichte der grünen Partei hat ihre Führung eine koordinierende und orientierende Funktion übernommen. Damit ist es ihr gelungen, den fatalen Eindruck ein wenig zu verwischen, die einst antiautoritäre Partei habe sich inzwischen mit der Rolle des unterwürfigen Juniorpartners ohne eigenen Willen abgefunden.

Seit einiger Zeit gehören kontrollierte Konflikte mit dem Koalitionspartner zum Bild des Bündnisses. Zudem hat die BSE-Krise der Partei die Chance eröffnet, mit der Verbraucher- und Agrarministerin Renate Künast ein Thema zu besetzen, das nicht nur urgrün anmutet, sondern noch dazu auf breites gesellschaftliches Interesse stößt.