Nicht erst seit Gerhard Schröder gilt, dass Europas wichtigstes Verhältnis - das deutsch-französische also - im Jargon pseudopsychologischer Analyse beschrieben wird. Die Komplexe und Phobien in der Beziehung (!)

zwischen Paris und Berlin ernähren die Gutachter seit Jahrzehnten. Erst jüngst, nach dem leidigen EU-Gipfel zu Nizza, hatte es wieder Diagnosen gehagelt: fortschreitende "Entfremdung", erschreckende "Sprachlosigkeit".

Und, natürlich, "tiefste Krise".

Seit vorigem Wochenende, seit ihrem EU-Treff in Stockholm, scheint die vertrackte Partnerschaft zwischen Chirac, Jospin und Schröder nun doch noch zu retten. Therapierbar, als Vernunftehe. Nun also ist Gerhard Schröder so weit: Jener Niedersachse, der einst lieber mit Tony Blair flirtete, pflegt als Europäer die neue alte Liebe. Vielleicht hält's über den nächsten Krach hinaus.

Vielleicht. Denn klar ist, dass Schröder eine Gegenleistung dafür erwartet, dass er Chirac und Jospin bei der Liberalisierung ihres Energiemarktes nicht unter Zeitdruck setzte. Etwa morgen bei Europas Agrarreform oder schon heute bei der Osterweiterung. Vorerst schwört der Kanzler nur Treue: Keine Seitensprünge mehr mit Tony! Von mehr, gar von Liebe wird Schröder erst reden, wenn auch Chirac und Jospin ihm etwas zuflüstern. cw