Äußerungen des Stolzes müsste man meiner Meinung nach doch stets im Bezug zum jeweiligen Objekt sehen. So war ich als 4-jähriger stolz, schon die Schleife (am Schuh) "zu bringen". Weiterhin bin ich stolz, 1968 als 19-Jähriger (trotz angedrohter Repressalien) konsequent eine IM-Tätigkeit für die Stasi abgelehnt zu haben. Dann kann ich noch auf meine erreichten beruflichen Qualifikationen stolz sein. Auch auf das bisschen Sand, das ich 1989 (gemeinsam mit vielen, vielen anderen) ins einheitsparteiliche DDR-Staatsgetriebe gestreut habe, bin ich stolz.

In allen zitierten Fällen war ich persönlich aktiv. Auf die Medaillenerfolge bei der Olympiade können die Athleten (aber ganz gewaltig!) stolz sein, ich nicht. Auf errungene Fußballsiege können Mannschaft und Trainer stolz sein, alle anderen sind "Trittbrettfahrer" (mit Bierfahne vorm Hals und Vereinsfahne in der Hand). Dass ich in einem so gut (na ja ...) organisierten Gemeinwesen wie Deutschland durch die Gnade meiner geografisch so platzierten Geburt leben kann - darüber kann ich auch nur froh sein - aber 24 Stunden am Tag!

Meines Erachtens sollten Lorenz Meyer und seine Union sich um die Lösung von echten Sachthemen bemühen und die Energie nicht in solch polemischem Unsinn versanden lassen.

Christoph Gäbel, Thürmsdorf