Als Kinder entdeckten wir Unendlichkeit und Geheimnis der Welt in zwei Büchern: im Lexikon und im Atlas. Noch als Erwachsene, die bloß mal die genaue Lage einer Insel verifizieren wollen, erinnern wir uns blätternd an Piratenfahrten auf den immer blauen Meeren, fallen fingerreisend zurück und erforschen in den dunkel geschummerten Falten der Hochgebirge Ardistan und Dschinnistan. Geweckt und gesteigert durch ihre anschauliche Exaktheit, bergen Atlanten Versprechen auf die Einlösung von Kinderträumen. Die Geschichte der Kartografie ist eine Geschichte scharf umrissener Fantasmen.

Noch die Visualisierungen dürrster Empirie enthalten metaphorische Versprechen, man denke an die Bevölkerungspyramiden oder die Säulen von Diagrammen.

So ist es verwunderlich, dass erst vor kurzem jemand auf die gloriose Idee kam, die Vielfalt des Erlebens selbst zum Thema eines Atlanten zu machen.

Entstanden ist der Atlas der Erlebniswelten aus einer liebenswürdigen Gewohnheit des holländischen Grafikerpaars Louise von Swaaij und Jean Klare.

Zum Jahresende pflegten sie ihren Freunden und Kunden eine Landkarte zu schicken, in die sie ihre guten Wünsche wie Orte eingetragen hatten.

Verschlungene Wege führten zu "Glück" und "Gesundheit".

Aus dieser Konvention ist nun ein ganzer Atlas entstanden, der einen Kontinent und seine Regionen darstellt. Die Gestalt dieser "Erlebniswelt" erinnert an den Urkontinent Laurasia, im Süden um zwei, Italien und Griechenland ähnelnde, Halbinseln erweitert, "Genuss" und "Vergänglichkeit" genannt. In der Mitte düster gebirgig und an den Rändern grasig-grün, schwimmt sie zwischen dem "Meer der Möglichkeiten" und dem "Meer des Überflusses". Nördlich der Metropole "Wandel" dehnt sich der "Sumpf der Langeweile". Den Zugang zu dem südlichen, mit Wiesen bedeckten "Genuss" sperrt die Gebirgskette "Lohnstreifen", und oben im Norden liegen Ortschaften wie "Hohn" oder "Bibbern".