Mit rund 40 Milliarden Euro Umsatz ist die Deutsche Telekom der größte Fernmelder Europas. Doch die imposante Zahl täuscht. Das angestammte Geschäft im Festnetz bröckelt, seit der Markt geöffnet und so rigoros wie in keinem anderen Land Europas reguliert wurde. Das Ergebnis: Bei den Ferngesprächen eroberten die Wettbewerber mit rund 40 Prozent einen stattlichen Marktanteil.

Die Gebühren sanken in diesem Bereich um 90 Prozent, beim Mobilfunk um 40 Prozent.

Mit der Ertragslage der Telekom steht es denn auch nicht zum Besten. Nach den vorläufigen Zahlen für das Jahr 2000 erwirtschaftete das Unternehmen zwar einen Gewinn in Höhe von 7,4 Milliarden Euro. Allerdings musste das stolze Ergebnis jüngst wegen der Wertberichtigung des Immobililienvermögens nach unten korrigiert werden, auf 5,9 Milliarden Euro. Auch diese Summe ergab sich nur, weil die Telekom Milliardenerlöse aus dem Verkauf von Beteiligungen verbuchen konnte. Derweil sitzt der Fernmelderiese auf einem Schuldenberg in Höhe von rund 60 Milliarden Euro. Ursache: zum einen die notwendige Expansion und Übernahmen im Ausland. Zum anderen die horrenden Investitionen für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS.

Zugute gehalten wird dem Unternehmenschef Ron Sommer, dass er sich im Unterschied zu anderen Telekommunikationskonzernen über Anleihen frühzeitig Geld beschafft hat, noch bevor die Zinsen dafür anzogen. Das freilich ändert nichts daran, dass die Schuldenlast so schnell wie möglich abgetragen werden muss.

Neue Finanzierungsquellen sind unterschiedlich ergiebig. So ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass ein Börsengang der Mobilfunktochter richtig Geld in die Kasse spült. France Télécom, ebenso hoch verschuldet, erlebte damit gerade ein Desaster. Die Telekom will auf jeden Fall ihren Anteil an der US-Fernmeldegesellschaft Sprint verkaufen. Doch der war Mitte Februar nur rund zwei Milliarden Dollar wert. Als Goldader für die Deutsche Telekom könnten sich die TV-Kabel erweisen. Das Netz, das bislang ausschließlich der Verteilung von Rundfunk- und Fernsehprogrammen diente, soll zum Teil verkauft und umgerüstet werden, um darauf künftig interaktive Dienste zu vermarkten.

Verkauft sind bislang die Mehrheitsanteile der Kabelgesellschaften in Nordrhein-Westfalen und Hessen. So gut wie verkauft ist außerdem die Region Baden-Würtemberg. Ganz überraschend gab die Telekom jüngst bekannt, dass sie mit den Unternehmen Klesch and Company in London sowie Liberty Media aus Colorado grundsätzlich über den Verkauf der Mehrheit an den sechs weiteren Kabelgesellschaften einig sei. Trotzdem wird der Telekom nichts anderes übrig bleiben, als sich von Immobilien zu trennen. Genau das aber wirft nun brisante Fragen auf: Wurde das Vermögen seinerzeit bei der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zu hoch bewertet? Und wenn ja: Wusste Ron Sommer davon?

Der Fall liegt beim Staatsanwalt.