Weltweit rechnet man mit etwa 250 000 jungen Menschen, die regelmäßig, über ihre Gitarre gebeugt, Lieder komponieren. 15 000 davon singen ihre selbst gefassten Gefühle auf CD, werden in der Abteilung Singer/Songwriter geführt, gelangen auf mysteriöse Weise in die Vertriebskanäle und erscheinen dann in Plattenbesprechungen, in denen der Rezensent erklärt, dies sei endlich eine Offenbarung, bei ihr/ihm breche die traurige Stimme die Tiefe der Texte, spiegele die Spröde der Instrumentierung die her be Schönheit der Melodie. So auch hier: Bonnie ,Prince' Billy.

Natürlich hat das Spiel mit den Identitäten längst die Einsamkeit dieses Sängers erreicht, der schmale Mann mit dem lichten Haar und dem verwirrten Ausdruck heißt in Wahrheit Will Oldham. In Louisville, Kentucky, trat er in ein paar kleineren Theater- und Filmrollen auf, erschien dann mit seinen Brüdern 1993 unter dem Namen Palace Music vor kleiner Öffentlichkeit, dann als Palace Brothers, Palace Songs, gar als Will Oldham, das Übliche. Doch die Musik blieb nicht namenlos, sie wurde Teil von "Americana", jenem Sammelbegriff für alle Einzelgänger, die mit Pioniergeist ureigene amerikanische Musik wiederbeleben. Seltsames Land, das seine tiefsten Gefühle immer aufs Neue mit selbstbewusster Tristesse präsentiert.

Will Oldham - nun glücklicher Vater - hat sich mit seinem Album Ease Down The Road zu einem Werk aufgeschwungen, das Leonard Cohen wie Neil Young - dem Akustischen - nahe steht. Realistischere Liebeslieder waren lange nicht zu hören, voller Spannung zwischen Gewissheit und Verunsicherung. Er rechnet mit dem Schlimmsten, auch in seinen überschwänglichen Songs. Das mildert das Glück, verhindert aber nicht die Liebe (Domino WIG 89/Zomba).

Im zarten Gespinst aus Gitarren, Klavier und weiblichem Harmoniegesang verfängt sich seine flache Stimme, countryselig singt er über The Lion Liar, entspannt gleitet er über den Break Of Day, und wo andere wohlig verdämmern, vibriert sein Grand Dark Feeling Of Emptiness vor Langsamkeit.

Historiker gedenken dabei der Stimme und der Songs eines Tim Hardin. Noch fehlen ein Rod Stewart und ein paar Monkees, um auch Will Oldhams Lieder in den Pop-Himmel zu heben. Johnny Cash hat mit seiner Version von I See A Darkness bereits damit begonnen.