Manege frei für John Bock, den geschickten Scharlatan! Der 1965 geborene, in Hamburg ausgebildete und in Berlin lebende Künstler gastiert zurzeit im Bonner Kunstverein (bis zum 15. April). Videoinstallationen und theatralische Performances gehören zum Repertoire des Jungartisten und Ex-BWLers, der sich gerne in verstiegener Wortakrobatik und amüsanten Nonsensproduktionen übt.

Burleskes Schauspiel, schamanistische Praxis, wissenschaftlicher Vortrag und experimentelle Versuchsanordnung greifen dabei ineinander und torpedieren erfolgreich jeglichen Sinn. Bock hat offenbar zum Generalangriff gegen den Rationalismus geblasen. Er liefert die Antwort der Kunst auf die New Economy, indem er ihre "straighten" Strategien unterminiert. Und ewig lebe der Neodadaismus! Sein bizarrer Sprachmüll auf dem Niveau von Blindtexten zehrt aus einem unerschöpflichen Fundus an natur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fragmenten. Im Dilemma der ExistoEntropie heißt denn auch der Titel seiner Ausstellung. Sauber sortiert, besteht sie aus zwei separaten Teilen. In dem einen wandelt der Besucher durch einen uterusartigen roten Stofftunnel, um sich am Ende mit einer seltsam daherplappernden Peperoni - der kleine kulinarische "Scharfmacher" steht offenbar als Alter Ego des Künstlers - konfrontiert zu sehen. Der andere Teil besteht aus einer chaotisch vermüllten Depotinszenierung mit drei "Video-Einsprengseln", in denen der Künstler als Dozent seine eigenwillige Privatlehre verbreitet. Die Idee der Archivkunst, der Verschmelzung von Funktions- und Aktionsraum, ist freilich nicht neu. Neu ist auch nicht die semiotische Veredelung des Mülls - Bocks Hamburger Kollege Meese hat den Trash bereits erfolgreich zum Trend gemacht. Neu ist allerdings, wie schamlos sich der Schalk Bock dessen bedient. Der Künstler geriert sich hier als reiner Promoter seiner selbst - und avanciert damit zur eigenen Karikatur. An seinem zur Schau gestellten Dilettantismus - hier weiß offenbar jemand genau um seine eigene Halbwertszeit - delektiert sich das Publikum nur allzu gerne. Am Ende bekommt eben jeder die Kunst, die er verdient. Ist es das, was Meister Bock uns sagen will?