Aktienanlagen sind den Rentenwerten nicht immer überlegen. Seit vergangenem Jahr wissen das auch jüngere Anleger. Und auch in diesem Jahr sind die Aussichten, mit Aktien auf einen grünen Zweig zu kommen, ziemlich trübe. Der MSCI-Weltbörsenindex hat bereits mehr als zehn Prozent eingebüßt.

Der Dax notiert unter dem Stand von Mitte 1998, der Dow Jones liegt so niedrig wie vor zwei Jahren. Der Nasdaq-Index müsste 150 Prozent zulegen, um wieder das Vorjahresniveau zu erreichen, und der Nemax brauchte dazu eine Vervierfachung.

Wie jede Seifenblase hinterließ auch die High-Tech-Euphorie beim Platzen hässliche Spritzer. Wer bei derartigen Übertreibungen nicht rechtzeitig aussteigt, braucht womöglich Jahre oder gar Jahrzehnte, um wieder in die Gewinnzone zu kommen. Japans Börse belegt das eindrücklich. So wirkt es zurzeit etwas zynisch, die Aktie als überlegene Langzeitanlage zu preisen.

Dennoch behaupten die Anhänger des "Kaufen und Halten" nach wie vor, mit aktivem Handeln verliere man nur Geld. Die Statistik scheint ihnen Recht zu geben: Klammert man von den gut 2500 Börsentagen seit 1991 die 30 höchsten Tagesgewinne des Dax aus, schrumpft die mittlere Jahresrendite von 14,8 auf zwei Prozent. Weil es illusorisch ist, bei aktivem "Traden" keinen der guten Tage zu verpassen, folgern die Langzeitanleger, ihre Strategie sei die richtige. Meist stellen sie auch die Suche nach den Rosinen im Aktienkuchen infrage und empfehlen simpel Indexfonds oder Indexzertifikate. Die seien auf Dauer nicht zu schlagen, weshalb sie das Ausharren auf indexgebundenen Positionen empfehlen.

Diese Argumentation ist nicht völlig falsch, aber doch sehr einseitig. Wer Aktien häufiger kauft und verkauft, mag einen guten Börsentag verpassen. Aber er vermeidet auch die schlechten. Klammert man die 30 größten Tagesverluste aus, hätte der Dax sagenhafte 30 Prozent Rendite erzielt.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sich auch sorgfältiges Selektieren durchaus lohnt. Seit Anfang 2000 ist der Dax um rund zwanzig Prozent gefallen. Die zehn schlechtesten Indextitel haben im Schnitt mehr als ein Drittel ihres Wertes eingebüßt, die zehn besten dagegen konnten im Mittel noch leicht zulegen. Mit der richtigen Aktienauswahl und etwas Timing war es also nicht allzu schwer, besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt.

Und außerdem gilt: Langfristig ist ein relativer Begriff. Die tollen neunziger Jahre ließen fast vergessen, dass Stagnationsphasen und Baissen ausgesprochen lange dauern können. Wer wollte behaupten, es mache ihm nichts aus, vier bis fünf Jahre oder gar über vierzehn Jahre (zwischen 1969 und 1983) keinen Kursfortschritt zu sehen.