Kapstadt

Acht Kinderporträts hängen an der Stirnwand des Speisesaals, lachende Gesichter, Szenen aus einem kurzen Leben. Keines der Kinder wurde älter als vier Jahre. Johannes, Asive, Sweetness oder Siphanathi starben an den Folgen von Aids. Der nächste Todeskandidat heißt Sikelela: 13 Monate jung, ein Winzling aus Haut und Knochen, in der Nase ein Schlauch zur künstlichen Ernährung. Er kam HIV-positiv zur Welt.

"Sikelela würde weniger leiden und länger leben, wenn er die Medikamente bekäme, die es in Amerika und bei euch in Europa gibt", sagt die Sozialarbeiterin Francis Herbert. "Aber die sind hier einfach viel zu teuer."

Hier, das ist ein Kinderheim in der schwarzen Township Crossroads, irgendwo in der staubigen Ebene vor Kapstadt. Es heißt Beautiful Gate, "Schöne Pforte", eine Wendung aus der Apostelgeschichte. Ehe die infizierten Kinder da durchgehen, sollen ihnen ein bisschen Liebe und Menschenwürde zuteil werden. Sie wurden abgeschoben oder ausgesetzt. Oder einfach zum Müll geworfen wie verdorbenes Fleisch.

Die wunderbare Medizin aus Amerika würde für jedes Heimkind an die 1500 Mark kosten - pro Monat. "Unbezahlbar", wiederholt Francis Herbert. "Aber vielleicht wird das bald anders. Wir hoffen auf unser Oberstes Gericht."

Pretoria, High Court. Nicht nur die Mitarbeiter von Beautiful Gate verfolgen gespannt den Prozess in der Hauptstadt. Das Urteil hat globale Bedeutung. Da stehen sich der reiche Norden und der arme Süden exemplarisch gegenüber, 39 Pharmakonzerne aus den Industriestaaten und die Regierung Südafrikas, stellvertretend für die Entwicklungsländer. Die einen verteidigen den freien Welthandel und internationalen Patentschutz, um weiter kräftig zu verdienen.

Die anderen berufen sich auf eine nationale Verfassung, in der das Grundrecht auf Leben verankert ist