Die Behauptung, neue Jobs entstünden nicht, weil Rot-Grün die Mitbestimmung neu reglementieren (ich sage: veränderten Rahmenbedingungen anpassen) würde, ist schon stark verkürzend! Einmal abgesehen davon, dass die besonderen Arbeitsbeziehungen unserer Gesellschaft in der Vergangenheit ein hohes Maß an Kontinuität und (Investitions-) Sicherheit beschert haben, frage ich mich, welche Auffassung von betrieblicher Zusammenarbeit Sie haben, wenn die am Arbeitsplatz direkt Betroffenen keine Mitsprache bei der Arbeitsorganisation und -sicherheit besitzen sollen.

Eigenständig denkende, mit dem Unternehmen verwurzelte Mitarbeiter sind keine notorischen Meckerer, sondern das Potenzial eines jeden funktionierenden Unternehmens - insbesondere in einem Land, dessen Produkte auf dem Weltmarkt in erster Linie über die Qualität und nicht über den Preis verkauft werden.

Eine möglichst hohe Produktivität eines Arbeitnehmers erreichen Sie nur, wenn Sie auch in diesen investieren und ihn nicht in Form von Niedriglöhnen ohne Perspektive drangsalieren.

Mangel an risikofreudigen Führungskräften? Auf alle Fälle an verantwortungsbewussten und langfristig denkenden, die in der Lage sind, dem Spiel- und Spekulationstrieb sowie dem Kurzfrist-Maximierungs-Denken der Börse und diversen Modetrends der Wirtschaft zu widerstehen (Siemens, Porsche und VW schaffen das ganz gut). Deutsche Schmalspurmanager allerdings sind die direkte Folge der von Wirtschaft und Kammern als Gegengewicht zu den "verstaubten" Unis ach so gelobten Kaderschmieden, die in Crashkursen vor allen Dingen die Betriebswirtschaft und den Sinn für das S(s)pezielle (eigene Befinden) betonen. Volkswirtschaftliche Zusammenhänge? Fehlanzeige. Ob so die "besten Absolventen produziert werden"?

Oliver Hesse, Bad Schwartau