Aufgefordert, über seine Schulzeit zu schreiben, die da bereits um Jahrzehnte zurücklag, seine Schulzeit im "Dritten Reich", überschrieb er seine Darstellung mit dem Titel Die Angst vor dem befremdlich Anderen und fing an: Das Düstere begann gar nicht düster, sondern heiter und sonnenbeglänzt.

Das ist die Wahrheit, eine Summe aus Unschuld, Kindheit und Kaiserwetter: Fahnen, Volksfeste, ein herausgeputzter Marktplatz, auf dem alle Abenteuer anfingen und endeten.

Mit sechs Jahren war er, der Sohn eines Kaufmanns, in die Volksschule gekommen, die - schrieb er weiter - auf einem Berg lag und vorwiegend von den Kindern des Armeleuteviertels besucht wurde. Ich schleppte sie der Reihe nach in meine Welt, in der sie sich vorsichtig, aber mit Neugier bewegten.

Ich wuchs in einem alten Patrizierhaus am Markt auf, in einer weitläufig verschachtelten Wohnung, deren Straßenfenster gute Aussicht boten. Immer wurde ja etwas gefeiert, das hörte nie auf.

Zu der Zeit war von Angst oder auch nur Schüchternheit bei ihm nicht die Rede: Erst mit zehn Jahren begann die Angst vor dem >Anderen<. Da war er auf dem Gymnasium, genauer: auf einer Oberschule.

Und später fasste er zusammen: Meine Schulzeit, denke ich zurück, ist in beklemmendem Grade gemischt aus Glück und Angst. Eines geht ins andere über, als sei Freude und Schmerz eine ähnliche Verwundung. Die Angst war Schulangst. Aber ich stand doch vorzüglich? Es ist schwer zu begreifen. Es gab Schulstunden, in denen ich auflebte, Lehrer, die ich respektierte. Es half wenig, die Angst blieb. Sie galt dem Turnen, dem Schwimm-Unterricht, den Appellen, dem Drill.

Und er versicherte, gegen Sport durchaus kein Vorurteil gehabt zu haben, im Gegenteil, er habe einige Jahre gern gerudert, als ihn niemand dazu anhielt, in seiner Schule hingegen sei der Unterricht zur Folter und Kasernenhofpein geworden. Und: Die Schule hat mir mein Gefühl für das Körperliche, die Lust, jung zu sein, auf eine Weise vergällt, daß ich in alle Gegenideale flüchtete, in die Vorwegnahme eines Daseins am Schreibtisch, in eine zu frühe Besonnenheit, in eine Verstandesschärfung an allem und nichts und in die tiefe Verachtung alles dessen, was die Zeit - und ich mit ihr - als starkmachend und stählend pries. Ich war nicht hart, nicht schnell, nicht unempfindlich genug, ich ging langsam und bedächtig und war am liebsten allein, ... ja versteckte mich vor einer Welt, deren Zudringlichkeit ich fürchtete ...