DIE ZEIT: In den USA war Traffic im vergangenen Herbst ein großer Erfolg. Aber als Sie das Projekt vor zwei Jahren den großen Studios zur Verfilmung anboten, haben alle abgewinkt. Warum?

STEVEN SODERBERGH: Man trug mir immer wieder eine Liste von Gründen vor, warum sich das Publikum nicht für den Film interessieren würde: Die Leute wollten keine politischen Filme sehen - und ganz sicher keinen Film über die Drogenproblematik; der letzte Film über Drogen, der Geld gemacht habe, sei French Connection gewesen, vor 30 Jahren; es gäbe zu viele Figuren; es gäbe zu wenig sympathische Figuren; ein Drittel des Films spiele in einem fremden Land, Mexiko ...

ZEIT: Und in einer fremden Sprache ...

SODERBERGH: Das habe ich noch nicht einmal verraten. Außerdem wurde am Ende herumgemäkelt: Das sei zu negativ. Dabei enden alle drei Geschichten hoffnungsvoll - nur an der Gesamtsituation ändert sich nichts. Den Studios hat das nicht gereicht. Für sie hatte das Projekt insgesamt zu viele Nachteile, gemessen am Budget von 46 Millionen Dollar. Dabei sollten sie gar nicht alles bezahlen. 35 Prozent wären genug gewesen. Dafür hätte das Studio die Filmrechte für Nordamerika bekommen.

ZEIT: Haben die Studiochefs ihre Fehlentscheidung wenigstens bereut, nachdem der Film erfolgreich angelaufen war?

SODERBERGH: Nein. Aber das darf man auch nicht erwarten. Im Grunde hatten sie ja mit allem Recht, was sie sagten. Nur war mir das egal. Ich hatte das Gefühl, ihr Verständnis von dem, was Zuschauer interessiert, ist veraltet. Glücklicherweise gab es zwei unabhängige Firmen, die an das Projekt geglaubt haben. Die stellten einen dicken Scheck aus - und haben es nie bereut.

ZEIT: War Ihr voriger Film Erin Brockovich schon in den Kinos, als Sie mit Traffic hausieren gingen?