Mit Sicherheit weiß ich, dass auch der Feta dazugehörte. Dabei handelt es sich um griechischen Schafskäse, der in Blöcken in einer Salzlake liegt. Die neue Verordnung hatte er nötig, denn von Dänemark bis zum Allgäu, und wo sonst Milch im Überfluss produziert wurde, verließen streng nach nichts schmeckende "Fetas" die Molkereien. Diese Fälscherei sei nun endlich abgeschafft, so hoffte ich wenigstens damals.

Jetzt wurde ich mit einer verschweißten Käsepackung konfrontiert, auf deren Oberseite vor einer arkadischen Landschaft (Zypressen) ein griechisches Bäuerlein in seiner typischen Tracht abgebildet war. Darüber in Großbuchstaben: "Patros Feta Pur", und daneben: "Mild & Ursprünglich". Wenn Feta mit mild zusammengebracht wird, ist Vorsicht geboten. Also las ich auch das klein gedruckte Geständnis der Allgäuer Firma Hochland am Rand der Packung: "Deutscher Weichkäse aus Kuhmilch".

Wenn das nicht ein Verstoß gegen ein europaweit gültiges Gesetz oder meinetwegen gegen eine Brüsseler Verordnung ist, dann haben wir es in jedem Fall mit einer Irreführung des Konsumenten zu tun. Und von diesen Irreführungen haben wir die Nase voll! Ich habe den Käse probiert, und natürlich war er ein Bruder des ebenso faden und nach nichts schmeckenden Mozzarella, wie er außerhalb Italiens (aber auch dort) in großen Mengen aus Kuhmilch hergestellt wird.

Manchmal - wie in diesem Fall - schmeckt man die Fälschung und kann protestieren. Meistens aber merkt der Konsument gar nicht, wenn er angeschmiert wird. Wie wären sonst die gefälschten Chianti auf den Markt gekommen? Wie die Hektoliter afrikanischen Olivenöls, wo "italienisch" draufsteht, weil es in Italien abgefüllt wurde? Die "Camemberts" aus pasteurisierter Milch? Der "Emmentaler" aus dem Allgäu?

Sogar der amerikanische Präsident scheint den europäischen Produkten nicht zu trauen. Denn er hat eine Verordnung in Kraft gesetzt, dergemäß die Löcher im Schweizer Käse eine bestimmte Größe nicht überschreiten dürfen.

Was passiert nun, wenn sie doch größer sind? Wird er das Matterhorn bombardieren? Den Verzehr von Schweizer Käse als unamerikanischen Umtrieb unter Strafe stellen? Und warum in Gottes Namen, darf ein Loch im Käse nicht größer sein als die vorgeschriebenen 2,06 Zentimeter?

Diese Frage hätte Tucholsky, der sich seinerzeit intensiv mit den Löchern im Käse beschäftigte, sicher keine Ruhe gelassen. Wahrscheinlich aber hätte er sich von Hamlet belehren lassen müssen, dass es mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als seine Schulweisheit sich träume.