Die Einsicht, dass die deutschen Universitäten ins Hintertreffen geraten, wenn sie sich nicht auf Wettbewerb, steigende Anforderungen und mehr Qualität in Lehre und Forschung einstellen, hat sich in der Politik endlich durchgesetzt. Längst nicht ausgemacht aber ist, ob die geplante Hochschulreform radikal genug ausfallen wird. Denn die Beharrungskräfte an den Hochschulen sind mächtig, und nicht in allen Punkten sind die politischen Vorgaben weise. Doch wenn es um derart komplizierte Dinge wie Dienstrechtsreform, Habilitation, Studienfinanzierung oder Evaluation geht, ist guter Rat selten. Unprätentiös, in erfreulich verständlicher Sprache und mit Sachkenntnis hat Detlev Müller-Böling in seinem Buch Die entfesselte Hochschule (Verlag Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh 2000

254 S., 38,- DM) aufgeschrieben, wohin die Reform gehen muss und warum. Das Buch des ehemaligen Hochschulpräsidenten, der als Chef des Gütersloher Centrums für Hochschulentwicklung seit Jahren für die Verbesserung der Hochschulen kämpft, ist eine Hommage an das Machbare, an die Universitätswirklichkeit und an die dort vorhandenen Anknüpfungspunkte für eine Erneuerung. Wer die trockene Materie bunter serviert bekommen möchte, halte sich an Michael Daxners Buch Die blockierte Universität (Warum die Wissensgesellschaft eine andere Hochschule braucht

Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999

192 S., 29,80 DM).

Daxner war wie Müller-Böling Hochschulpräsident, ist gleichfalls ein lang gedienter Vorkämpfer für die Hochschulerneuerung, und seine Ziele sind ähnlich. Seine Darstellung aber ist völlig anders: Subjektiv, temperamentvoll und bei allem Hang zu ironisch überhöhten Thesen mit gebotener analytischer Schärfe. Das provoziert und ist schon deshalb mitunter amüsant zu lesen.

Keine Reform ohne Gegenreform. Unter dem Titel Die Universität muß sich wehren (Ein Plädoyer für ihre Erneuerung

Primus Verlag/Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000

181 S., 34,- DM) beschwört Arnd Morkel den Geist Wilhelm von Humboldts wider alle tatsächlichen oder vermeintlichen Tendenzen, die Stätten von Lehre und Forschung in Unternehmen oder Dienstleistungsbetriebe umzufunktionieren. Aus dem Rahmen fällt das Buch Bildungsfinanzierung und soziale Gerechtigkeit von Christoph Ehmann (W.

Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2001

172 S., 29,80 DM). Scharfsinnig untersucht der Autor die Irrtümer, die Illusionen und die daraus resultierende Misswirtschaft im deutschen Bildungssystem insgesamt.