Knapp 4000 deutsche Wissenschaftler haben in der vergangenen Woche in einer vierseitigen Zeitungsanzeige gegen die geplante Dienstrechtsreform von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn protestiert. Doch diese Aktion, für die der Deutsche Hochschulverband verantwortlich zeichnet, der mit 18 000 Mitgliedern als Standesorganisation der deutschen Professoren gilt, zeigt eigentlich genau das Gegenteil von dem, was demonstriert werden sollte. Sie macht sehr deutlich, dass die deutschen Wissenschaftler keineswegs gegen die Hochschulreform oder gegen die Dienstrechtsreform sind.

Zweifel? Die These lässt sich mit nüchternen Zahlen belegen. 3759 Unterzeichner sind noch nicht einmal 15 Prozent aller 26 000 Universitätsprofessoren. Und es sind gerade mal 20 Prozent der Verbandsmitglieder. Die Fachhochschullehrer haben sich überhaupt nicht geäußert, weil sie im Hochschulverband gar nicht aufgenommen werden. Und davon gibt es noch einmal rund 13 000.

Dafür aber haben sehr viele Habilitierte unterschrieben.

Nachwuchswissenschaftler also, die schon von daher geneigt sind, ihre Unterschrift zu leisten, um zu dokumentieren, dass sie noch Professoren werden wollen. Und es haben extrem viele Emeriti unterzeichnet. Diese Liste repräsentiert also in keiner Hinsicht diejenigen deutschen Hochschullehrer, die aktiv im Dienst und damit von der Reform betroffen sind. Eher im Gegenteil: Die Aktion ist vielmehr ein Rohrkrepierer. Sie beschädigt das Image der deutschen Hochschullehrer in der Öffentlichkeit, auch international.

Die Wissenschaftler hierzulande stehen nun wie so oft und völlig zu Unrecht als rückständig und nur an sich selbst denkend da. Sicherlich haben einige der Unterzeichner in gutem Glauben und aus echter Überzeugung heraus gehandelt

denn natürlich hat die geplante Dienstrechtsreform auch deutliche Schwächen. Aber gerade eine sachliche Debatte über diese Schwächen und die Möglichkeiten, daran noch etwas zu verbessern, werden durch eine solche Aktion erschwert. Stattdessen wird wieder polarisiert, werden künstlich Fronten aufgerichtet - für oder wider die überfällige Hochschulreform. Das - und nicht die Reform - ist der eigentliche Fehler.

Der Autor ist ehemaliger Rektor der Universität Dortmund und Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh