Der Bundespräsident fängt an, aufzufallen. Er tritt auf und wird gesehen.

Er redet und wird gehört. Als er sich in der vergangenen Woche mit einer Rede vor dem Straßburger Parlament in die Debatte um die Zukunft der Europäischen Union einschaltete, machte er sogar Schlagzeilen. Parlamentarier von links bis rechts brachten ihm stehende Ovationen dar. Das gab es noch nie. Ihn hat es gefreut, und seinen Freunden entrangen sich Seufzer der Erleichterung.

Kriegt er die Kurve vielleicht doch noch?

Es hat lange gedauert. Fast zwei Jahre ist Johannes Rau jetzt Bundespräsident, ohne dass die Öffentlichkeit groß Notiz genommen hätte.

Dafür gab es äußere Gründe. Zuerst verschlug ihm die leidige Flugaffäre die Sprache. Dann setzte ihn seine Gesundheit schachmatt. Nach einer schweren Operation zog sich die Rekonvaleszenz über Monate hin.

Aber das war es nicht, was die Medien reizte. Was sie dem Bundespräsidenten vorwerfen, ist mangelnde Medientauglichkeit. Er stellt nichts dar. Er spielt keine Rolle. "Die richtige Idee reichte nicht aus", tadelte Wolf Lepenies.

"Ihre Inszenierung war entscheidend. Die Politik braucht die Pose."